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Review: Project Zero: Maiden of Black Water

Review: Project Zero: Maiden of Black Water

Nachdem ich mir letzten Monat mit Tormented Souls eine interessante Hommage an die Resident Evil/Silent Hill Titel angeschaut habe, betrete ich mit Project Zero: Maiden of Black Water dieses Mal das Reich der Geister und Erscheinungen. Das Spiel ist ein Remaster der ursprünglichen WiiU Version, die 2014 erschienen ist und diesmal für die Playstation 4/5, die Xbox Systeme, dem PC und die Nintendo Switch neu aufgelegt wurde. Ich durfte mir die Switch Version anschauen und habe zum ersten Mal ein Fatal Frame Eintrag tatsächlich durchgespielt. Doch hat es sich auch gelohnt?

Der Berg ruft

Die Region rund um den Hikami Mountain gilt als verflucht und ist sowas wie ein Pilgerort für Menschen mit suizidalen Tendenzen geworden. Jedes Jahr betreten Bewohner aller Art diesen Berg mit seinen Klosterbauten und kehren nicht wieder zurück, als wären sie vom Erdboden verschluckt. So ganz falsch ist diese Annahme auch nicht, denn das Wasser des Mt. Hikami birgt ein schreckliches Geheimnis, das mit den Todesfällen in Verbindung stehen könnte. Und als wäre das nicht genug, treiben die Geister der Verstorbenen dort ebenfalls ihr Unwesen und attackieren Schaulustige und Angehörige.

Unsere drei Protagonisten – Yuri, Ren und Miu – wollen dem Geheimnis des Gebirges aus unterschiedlichen Motiven auf die Schliche kommen und riskieren dabei ihr eigenes Leben und das ihrer Freunde. Die Story ist dabei an sich spannend erzählt und ich wollte schon wissen, wie die Geschichte um unsere Figuren ausgeht, es gibt jedoch auch einige Längen und viele Elemente wiederholen sich. Maiden of Black Water ist in 12 Kapitel unterteilt, die jeweils eine eigene Aufgabe bieten. Ich hatte leider ein paar Mal das Gefühl, dass Storybestandteile mehrmals genutzt werden, um so etwas Spielzeit zu generieren, obwohl es vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Das wird durch das Verhalten einzelner Protagonisten zwar erklärt, teilweise ist es aber schon unglaubwürdig. Auch wenn Hikami ein verfluchter Ort ist, dass ich eine Person drei Mal aus den Klauen der Toten befreien muss weil sie freiweillig wieder zurück geht ist dann doch irgendwo nervig.

Die durchaus spannende Geschichte wird u.a. mit Hilfe von Zwischensequenzen erzählt.

Dabei sind Project Zeros Themen durchaus interessant. Es geht um Tod, Verlust, Trauer und Liebe – und das alles mit einem ernsten Ton, ohne over-the-top Zwischensequenzen oder übertrieben geschauspielerte Emotionen. Der ganze Stil des Spiels ist eher melancholisch-düster gehalten und vermittelt eine trostlose Stimmung, die perfekt zu den morbiden Themen der Horrorsoftware passt. Leider konnte ich zu den Charakteren nicht so eine starke Bindung aufbauen, als das mir das Schicksal wirklich ans Herz gegangen wäre. Selbst bei den besten von acht möglichen Enden habe ich mich zwar für Yuri, Ren und Miu gefreut, mit der richtigen Erzählweise hätten es aber wohl viel heftigere Emotionen sein können – für mich kein Vergleich zu einem Yakuza.

Ein weiteres Problem war für mich die generelle Aufarbeitung des Mythos Mount Hikami. Man bekommt durch Zwischensquenzen zwar einiges über die Lore mit und wichtige Dokumente müssen aufgesammelt und gelesen werden, um mit der Mission fortfahren zu können, wenn man allerdings nicht jedes Tagebuch sucht und liest kann die gesamte Geschichte schon ziemlich verwirrend werden. Ich hatte manchmal schon Probleme, alle Zusammenhänge zu verstehen und hab mir am Ende auch noch einmal eine komplette Zusammenfassung der Story im Internet durchgelesen.

Grundlegend hat mir die gesamte Geschichte nichtsdestotrotz gut gefallen, es wäre aber wohl mehr möglich gewesen, sowohl was Erzählweise als auch Bindung zu den Charakteren angeht.

Lights, Camera, Action! Oder Lights, Camera-Action?

Project Zero: Maiden of Black Water besteht im Prinzip aus zwei Gameplay-Mechaniken. In kampflosen Phasen bewegt man sich in 3rd-Person Perspektive durch verschiedene Areale, sammelt Hinweise und Items ein und folgt seinem Missionsziel. Dabei kann es aber manchmal zu Problemen kommen, da nicht immer ersichtlich ist, was jetzt eigentlich zu tun ist und man jeden Stein umdreht, bis man dann endlich den entscheidenen Hint gefunden hat. Es gibt zwar eine Wegfindungshilfe, nur ist diese nicht ständig nutzbar. Erschwerend hinzu kommt, dass die Steuerung manchmal echt hakelig und schwammig ist und man sich nicht so bewegt, wie man möchte, oder man rangieren muss, um das gewünschte Item aufheben zu können.

Das gesamte Pacing der Erkundungsphasen ist ziemlich langsam, was einerseits für Atmosphäre und Spannung sorgt, sich andererseits aber auch unnötig ziehen kann. Jede Aufnahme von Items muss beispielsweise mit Halten der Trigger ausgeführt werden. Die Protagonistin/der Protagonist greift dann langsam zum Objekt und kann eventuell während des Vorgangs von einer Geisterhand angegriffen werden. Dort kommt es dann auf gute Reflexe an, denn man muss die Taste loslassen um nicht gepackt zu werden. Danach muss der gesamte Vorgang, ob erfolgreich ausgewichen oder nicht, wiederholt werden. Und diese Angriffe kommen auch nur in 3/10 Fällen vor – das kostet Zeit und verlangsamt das eh schon gemächliche Gameplay unnötig. Das selbe Problem tritt bei Türöffnungsanimationen auf: ja, es sorgt für Spannung, jede Tür langsam und vorsichtig zu öffnen. Wenn der zu erwartende Jumpscare dann aber nur einmal (!) im gesamten Spiel auftritt ist das meiner Meinung nach suboptimal gelöst, auch weil sehr viele Türen geöffnet werden wollen.

Die Erkundungen sind atmosphärisch, leider aber teilweise auch sehr langatmig.

Glücklicherweise muss man aber sagen, dass sich Project Zero nicht hauptsächlich auf Jump Scares verlässt. Klar, hin und wieder gibt es welche, grundsätzlich verlässt sich das Spiel aber eher auf seine bedrückende Stimmung und das funktioniert auch ganz wunderbar. Oft rechnet man mit Schockmomenten, die dann aber gar nicht stattfinden. Die wenigen, die dann doch auftreten, sind aber auch nicht sonderlich innovativ platziert, man weiß halt nur oft nicht, wann sie kommen, nicht ob sie kommen.

Neben dem Adventure-Gameplay, das bis auf einige Suchaufgaben leider keinerlei Rätsel bietet, müssen natürlich auch noch Geister in die spirituellen Schranken gewiesen werden. Dabei hiflt eine magische Kamera, die sogenannte Camera Obscura, mit der Fotos von den Erscheinungen geschossen werden müssen – dazu schaltet das Spiel in eine Ego-Perspektive. Es gibt dann einen Zielbereich, ähnlich einem Fadenkreuz, in dem sich so viele Objekte wie möglich, inklusive Gegner, befinden sollten. Je mehr Dinge fotografiert werden, desto mehr Schaden nimmt der Geist, daher sollte man immer versuchen, mehrere Gegner gleichzeitig zu knipsen.

Unterschiedliche Geister erfordern unterschiedliche Taktiken.

Als Munition werden verschiedene Arten von Fotopapier genutzt, die unterschiedliche Eigenschaften bieten. Manches Papier macht weniger Schaden, lässt sich dafür schneller nachladen, andere Papiere sind zwar sehr selten und brauchen auch lange zum Einlegen, nehmen den Geistern dafür aber gut HP weg. Durch Varianz bei den Gegnertypen und deren Angriffsmustern bietet es sich daher an, immer gut durchzumischen und verschiedene „Munitionsarten“ zu nutzen.

Doch nicht nur zur Munition gibt es ein Äquivalent. Auch Waffenmodifizierungen gibt es in Project Zero, hier Objektive genannt. Es lassen sich bis zu drei Objektive auswählen und durchschalten, die alle verschiedene Effekte bieten. Man kann Gegner verlangsamen, mehr Schaden machen oder die eigenen HP auffüllen, je nachdem, was gerade gebraucht wird. Sowohl die Kamera an sich als auch die Objektive können mit Punkten aufgelevelt werden. Punkte verdient man unter anderem durch Abschluss der Missionen, das Schiessen von besonderen Fotos oder Komboattacken.

Das Shootergameplay funktioniert gut und war der für mich auch spaßigere Teil des Spiels. Es wurde manchmal zwar etwas durcheinander, auch dem Gegnertyp „Geist“ geschuldet (da er durch Wände und den Spieler einfach durchfliegt), generell waren die Kämpfe aber fordernd und spannend, auch weil jeder Spirit eigene Angriffsarten nutzt und es keine allgemeingültige Taktik gibt. Der Gruselfaktor lässt mit der Zeit natürlich nach, am Anfang sind die Aufeinandertreffen noch nervenaufreibend, mit der Zeit ist es aber dann doch business as usual.

Grafische Schwächen, schauriger Ton

Technisch ist Project Zero: Maiden of Black Water Licht und Schatten. Bei meiner Switch-Version gab es hin und wieder Stotterattacken und fallende Frameraten und auch einige Texturen sahen verwaschen aus. Generell versprüht das Project Zero aber eine stimmungsvolle Atmosphäre. Es ist kein farbenfrohes Spiel, neben rotem Körpersaft gibt es fast kaum bunte Momente, alles ist in braun/grau gehalten, passt aber wie erwähnt zum grundsätzlichen Stil des Horroradventures. Etwas gestört hat mich ein Effekt, der das Bild mit einem schwarzen Schleier umrandet und leider nicht abschaltbar ist. Der Artstyle von Project Zero weiß auf jeden Fall zu gefallen, die technischen Mängel trüben den Gesamteindruck leider etwas.

Auch wenn es technisch schwächelt: Project Zero kann grafisch durchaus überzeugen.

Über den Sound gibt es gar nicht so viel zu sagen, einfach weil Maiden of Black Water ein sehr stilles Spiel ist. Es gibt so gut wie keine Musik, Geräusche kommen von Geistern oder der Umgebung. Diese klingen dafür umso bedrohlicher und runden den oben erwähnten Artstyle perfekt ab. Die englische Synchro hat mir zugesagt und hat ihren Job gut erledigt und auch die deutschen Untertitel haben einen guten Eindruck hinterlassen.

Fazit

Puh, schwierig. Grundsätzlich hat mit Project Zero: Maiden of Black Water Spaß gemacht und mich auch bis zum Ende gefesselt, es wäre aber wohl viel mehr drin gewesen. Die Story ist spannend, könnte aber besser erzählt werden. Das Erkundungsgameplay ist atmosphärisch, könnte aber gestraffter spielbar sein. Der Artstyle ist „hübsch“, könnte technisch aber besser laufen. Nur bei den Kämpfen habe ich keinen großen Kritikpunkt, diese haben für mich einfach gut funktioniert. Für Fans von japanischem Horror ist Project Zero sicher einen Blick wert, ansonsten verpasst man aber nicht viel, wenn man es nicht gespielt hat.

7.1

Gameplay

7.1/10

Grafik

6.9/10

Sound

7.5/10

Umfang

6.9/10

Pros

  • Schaurige Atmosphäre
  • Spannendes "Shooter"gameplay
  • Interessante Geschichte...

Cons

  • Langatmige Erkundung
  • Technische Schwächen (Switch Version)
  • ...die besser erzählt hätte werden können
Pat

Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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