PC Xbox

Review zu Obsidians Survival-Abenteuer Grounded – familienfreundliches Überleben in der alltäglichen Wildnis

Microsoft wird immer wieder vorgeworfen, die Exklusivtitel sind mit Halo, der Gears-Reihe und Forza nicht zahlreich genug. Kann Grounded hier als Geheimtipp Abhilfe schaffen?

Review zu Obsidians Survival-Abenteuer Grounded – familienfreundliches Überleben in der alltäglichen Wildnis

Obsidian Entertainment, die Hersteller von Klassikern wie Knights Of The Old Republic, Fallout: New Vegas, Neverwinter Nights und Pillars of Eternity, entwickeln ein Survival-Spiel? Wer jetzt ein episches, doch trockenes Werk mit massig Hintergrund-Geschichte und sehr umfangreichen Spielmechaniken erwartet, der hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der von Obsidian den passend doppeldeutigen Namen „Grounded“ bekommen hat.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Grounded ist ein Spiel, das sich noch im Pre-Release-Stadium befindet und dauerhaft um Patches und Updates erweitert wird. Und tatsächlich schafften es die letzten größeren Updates es, dass sich alle Abläufe so neu und frisch anfühlen, dass man sich dem wochenlang ohne Langweile hingeben kann.

Das Setting ist so unverbraucht wie abgefahren. Man versetzt sich in die Lage eines von vier auswählbaren Kindern, das durch ein fehlgeschlagenes Experiment auf Ameisengröße geschrumpft wurde und nun in einer Erdfurche im Garten des Hauses neben einem geöffneten Aktenkoffer mit 4 leeren Flakons erwacht. Nach dem Herauslaufen aus der Furche wird einem bewusst, was grundsätzlich passiert ist. Man ahnt jedoch noch nichts davon, was das schlussendlich bedeutet.
Wie eingangs erwähnt befinden wir uns inmitten eines Survival-Spiels dessen Mechaniken sich darum drehen, Ressourcen zu beschaffen, Gegenstände aus diesen zusammenzubauen, auf die Grundbedürfnisse Hunger und Durst zu achten und die letztendlich wichtigste Aufgabe, die jetzt noch nicht enthüllt wird. Für die ersten beiden Punkte gibt es direkt zu Beginn die Möglichkeit, einfache Ressourcen wie Kiesel, Sprösslinge und Pflanzenfasern einfach aufzusammeln und damit einfache Werkzeuge wie Hammer, Axt und Schaufel zusammenzubauen. Mit diesen Werkzeugen ist man dann in der Lage Gras zu ernten, Eicheln zu zerhämmern und mit dem Gras, Seilen aus den zuvor erwähnten Pflanzenfasern und Eichelschalen- sowie –kappen fortgeschrittene Werkzeuge oder sogar Waffen herzustellen. Und hier sind wir bei der wichtigsten Aufgabe angekommen, deren Enthüllung ich bis hierhin hinausgezögert habe: DAS ÜBERLEBEN

Denn der Garten besteht nicht nur aus einer sehr umfangreichen Flora, die zusätzlich zu den erwähnten Ressourcen noch Blüten, Klee, Baumharz und so viel mehr zu bieten hat, sondern auch aus einer Fauna, die nicht nur aus sehr vielen verschiedenen Insektenarten besteht, sondern auch detailverliebt das Temperament der unterschiedlichen Arten wiederspiegelt. Von kleineren, essbaren Insekten (selbstverständlich nach Zubereitung auf dem selbst zusammengebauten Grill) bis hin zu riesigen, gefährlichen Gartenbewohnern gibt es gut 25 verschiedene Tierarten, deren Teile durchweg benötigt werden, um später weitere Dinge für das eigene Überleben im Garten herzustellen.
Die Geschichte um das misslungene Experiment ist derzeit noch nicht auserzählt und mit den verschiedenen Updates entdeckt man immer neue Hinweise, die einen dem Ziel – wieder groß werden zu können – Schritt für Schritt näher bringen. Zu diesem Zweck lenkt einen die bisher vorhandene Geschichte auch zielgerichtet in die verschiedenen Biome, in die der Garten aufgeteilt ist. Auch hier haben sich die Entwickler verschiedene Bereiche einfallen lassen, von dem sich keiner spielt wie der andere. Seien es die Kletterpassagen mit Pusteblumen-Gleiter in der Hecke, die Tauchexpeditionen samt Taucherhelm und Flip-Flossen im Teich, die Wanderungen mit Gasmaske im nebeligen Giftbereich, die „normalen“ Erkundungstouren im hohen Gras oder wie seit neuestem die Ausflüge auf den Picknicktisch zum Bienenstock inkl. Seilbahnfahrt auf den Sandkasten, in dem man sich tagsüber bei knallender Hitze ohne Schatten die Füße verbrutzelt. Die Ideen sprießen nur so in dieses Spiel, wie der Klee im Garten, mit dem man seinen Gebäuden Dächer zimmern kann.

Durch Updates kommen immer mehr Materialien zum Bauen eigener Rückzugsorte hinzu. Aus Pilzen brennt man im Ofen Ziegel und baut sich so ein Schloss

Dass die Geschichte nach ein paar Spielstunden bis zum bisher fertig gestellten Punkt fertig erzählt ist, mindert die Motivation des Spielers nicht, da man durch das Sammeln von Wissenschaftspunkten, Milchzähnen, Farbschemata für die Menüs und Laboren zum Identifizieren der neu gefundenen Ressourcen durchweg immer Gründe zum weiteren Erkunden auch entlegenster Ecken bekommt. Erfrischenderweise sind diese zusätzlichen Sammel-Items nicht nur als stupide Fleißarbeit zu sehen, sie sind auch spielrelevant. So kann man die Wissenschaftspunkte und die Milchzähne zum Freischalten neuer Baupläne und Rezepte nutzen. Wissenschaftspunkte gibt es ebenso für tägliche Aufgaben, in denen man eine zuvor genannte Anzahl einer bestimmten Insektenart zur Strecke bringen soll, verschiedene Dinge herstellen, oder an bestimmten Orten auf der Karte Markierungen setzen soll. Mit den Milchzähnen kann man die persönlichen Attribute des Charakters weiterentwickeln. Das wären zum Beispiel die maximale Gesundheit, maximale Ausdauer, Tragekapazität oder die sogenannten Mutationen, die ebenfalls durch bestimmte Spielmechaniken (Die Mutation „Schwertmeister“ zum Beispiel verbessert sich mit einer gewissen Anzahl mit Schwerter getöteter Insekten) verbessert werden können.

Grundsätzlich ist das Abenteuer aus der Ego-Perspektive, sowie auch aus einer Dritte-Person-Schulterperspektive spielbar. Die Steuerung über den Controller ist direkt und eingängig. Das UI ist sehr übersichtlich gehalten, Hunger und Durst, sowie Ausdauer und Lebensbalken sind in einer Ecke des Bildschirms zu erkennen, die Haltbarkeit der Rüstung und von Waffen und Werkzeug in der anderen.

Herrliche Ausblicke sind durch die fast unendlichen Möglichkeiten an der Tagesordnung: Mit einer Seilrutsche gelangt man dabei schneller ans Ziel

Sollte man Lust auf ein Multiplayer-Erlebnis verspüren, oder man sich, wie unser guter Herr Chefredakteur, vor Spinnen fürchten, so kann man das Abenteuer mit bis zu 4 Spielern gemeinsam erleben. Für Arachnophobiker gibt es sogar die Möglichkeit, die Spinnen per Knopfdruck unkenntlich zu machen. So kann man selbst mit einem sehr starken spinnenfeindlichen Körperinstinkt in den Genuss dieses lohnenswerten Abenteuers kommen. Eine Crossplay-Funktion zum Spielen auf Xbox und PC ist vorhanden. Ein Release für andere Plattformen als PC und Xbox ist nicht wahrscheinlich, da Obsidian Teil der Xbox Game Studios ist.

Selbst für Eltern, die ihre Kinder von den täglichen, immer wiederkehrenden Standard-Spielen fernhalten wollen, ist dieses Spiel eine tolle Möglichkeit nebenbei auch noch etwas zeigen zu können. Bei meinen Spielsessions habe ich immer zwei kleine Zuschauer, die mir tatkräftig zurufen, welches Tier sie gerade im Dickicht des Grases erspäht haben oder welches Tier man leise in der Ferne hören kann. Insekten wie Bombardierkäfer, Rüsselkäfer, Maden und Ameisenlöwen werden so aus nächster Nähe begutachtet und man kann immer wieder klar machen, dass man in Insektengröße viel Unbehagen verspürt und es nicht schön ist, von größeren Lebewesen angegriffen zu werden. Dies gilt nicht nur, wenn man geschrumpfter Protagonist ist, sondern auch… ALS INSEKT.
Selten kann ich von einem so gelungenen Komplettpaket von einem Spiel schwärmen und für mich sind Survival-Endlosgames bisher nie interessant gewesen. Dieses Spiel jedoch ist so anders und so toll, es kann jedem nur „GROUND“sätzlich empfohlen werden.

Nicht nur Insekten: Auch ein Koi und diese Krähe haben es ins Spiel geschafft. Und beide liefern sogar Materialien zum Craften bestimmter Dinge

Grounded

29,99€ - 0,00€ im Gamepass
9

Gameplay

9.3/10

Grafik

8.5/10

Sound

8.5/10

Umfang

9.6/10

Pros

  • Unverbrauchtes Setting im Garten
  • Waffen und Rüstungen aus Insektenteilen sind sehr kreativ
  • Ständige Updates mit immer neuen Funktionen
  • Crossplay zwischen PC und Xbox möglich...

Cons

  • ... Leider durch Exklusivität nicht auch zwischen anderen Plattformen
  • Noch öfter Clipping-Fehler (werden aber regelmäßig durch Updates verbessert)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.