Meine Erfahrungen mit Fortnite

Wenn es für mich als relativ alten Mann ein Spiel gibt, mit dem ich das Wort Kiddie verbinde, dann ist es wohl Fortnite. Kein anderes Spiel hat in den letzten Jahren so einen massiven Boom erlebt und vor allem die jüngere Zielgruppe derart in seinen Bann gezogen. Ich selber konnte immer gut einen Bogen um dieses Machwerk machen. Wenn ich Battle Royale zocken wollte, dann wurde PUBG eingeworfen, ist ja eh viel realistischer und anspruchsvoller – war zumindest meine Denkweise. Auf Grund von unglücklichen Fügungen (mein Rechner ging kaputt) und dem dadurch entstandenen Frust (man könnte es auch Trotz nennen) habe ich mir auf der Xbox One X Fortnite runtergeladen und wollte verstehen, was alle an dem Spiel finden. Und was soll ich sagen: ich hatte und habe immer noch echt Spaß mit dem Titel.

Das liegt besonders an der schnellen Zugänglichkeit. Nach ein paar Runden war ich schon ziemlich gut drin und konnte nach einiger Einspielzeit sogar zwei Siege erringen. Das steigert natürlich das Selbstbewusstsein und auch die Motivation, weiterzuspielen und im Rang zu steigen. Ein weiterer Grund ist das für mich gut funktionierende Gunplay. Man muss die unterschiedlichen Waffen auch unterschiedlich handhaben, mit einer Schrotflinte lässt sich zum Beispiel auf Distanz nichts reißen, in engen Arealen ist sie dafür tödlich. Eigentlich sind solche Dinge ja Shooterstandard, ich hätte aber nicht gedacht dass Epic das auch für so ein „Kinderspiel“ so konsequent umsetzt. Ich finde auch das System mit den Seltenheitswerten der Waffen nett, das weckt so ein wenig den Sammlertrieb.

Womit ich relativ wenig bis nichts anfangen kann ist die Möglichkeit des Bauens. Ich weiß, dass das ein großer Bestandteil der Fortnite-Philosophie ist, für mich ist das aber nichts als nerviges Beiwerk. In den vielen Runden, die ich seitdem gespielt habe, habe ich die Baufunktion – wenn es hochkommt – vielleicht zwei Mal benutzt. Wenn ich dann sehe, wie andere Spieler sich während eines Kampfes ganze Festungen mit Treppen und Schutzwänden bauen, dann bin ich raus. Ich finde es interessant und beeindruckend, in der Kürze der Zeit solche Bauwerke aus dem Boden zu stampfen, für mich hat das aber in so einem Spiel nichts zu suchen, daher (und wegen meinem Unvermögen) wird diese Komponente des Spiels gemieden wo es nur geht. Aber auch hier muss ich relativieren: so dachte ich, bevor ich selber mal Fortnite gespielt habe, dass das Bauen elementar für das Gameplay wäre und man anders gar nicht überleben kann. Klar, Spieler die das können haben einen Vorteil gegenüber handwerklich unbegabten Mitspielern, dennoch kann man auch ohne sehr gut überleben – sofern man dann mit Shooterexpertise aufwarten kann.

Level 15 habe ich mittlerweile erreicht. 15 Level mehr, als ich je gedachte habe.

Auch das System mit dem Battle-Pass sagt mir sehr zu und finde es fair umgesetzt, besonders wenn man ein Vielspieler ist. Für knapp 10€ kann man sich den Battle-Pass kaufen, der dann extra kosmetische Inhalte bereitstellt und auch V-Bucks (die Fortnite-Währung) enthält, mit dem man sich – sofern man genug zockt – auch schon den Battle-Pass für die nächste Saison kaufen kann. Man kann diesen Kauf für 10€ also quasi reinvestieren und bekommt am Ende sogar noch 200 (?) V-Bucks mehr raus, als man für den Wert von 10€ zu Beginn bekommen hat. Aus kompetitiver Sicht finde ich die Herangehensweise von Epic gut, kein Pay2Win bei einem kostenlosen Spiel ist eine schöne Sache.

Was ich allerdings nicht so schön finde, was aber nicht wirklich was mit dem Spiel an sich zu tun hat, ist die Aufmachung im Bezug auf Shops und Ingame-Käufe. Durch die eh schon bunte Optik und das Aufploppen von zig Möglichkeiten, sein Geld doch in irgendwelche Items zu stecken, werden besonders Kinder zum Kauf verlockt und geraten so schnell in eine Spirale, aus der man nicht so leicht rauskommen kann. Den 10ner für den saisonalen Battle-Pass finde ich wie gesagt in Ordnung und nehmen wir an, mein Kind würde Fortnite spielen und nach ca. 10 Wochen fragen, ob es sich den Battle-Pass holen darf, wäre das generell kein Problem, besonders wenn man bedenkt, was neue Vollpreisspiele manchmal kosten. Womit ich aber ein Problem hätte wären die Käufe abseits des Passes. Und wie gesagt, die werden gerade für Kinder sehr einladen präsentiert. Und dort glaube ich, ist die Hemmschwelle durch die „geringen“ Preise deutlich niedriger, sich mal eben einen neuen Skin zu kaufen – dass sich die Sachen am Ende aber summieren wird in dem Moment wahrscheinlich ausgeblendet.

Aber um noch einmal zum Anfang zurückzukommen: ja, PUBG ist realistischer und ja, PUBG ist wahrscheinlich auch anspruchsvoller (wobei ich mir hier durch dieses Bausystem nicht mal mehr sicher bin), aber verdammt, Fortnite macht mir echt Spaß. Man muss sich meiner Meinung nach darauf einlassen und sich von dem Gedanken lösen, dass dies ja eh nur ein Kiddie-Game sei und „richtige“ Gamer damit gar keinen Spaß haben können. Wenn ich aber nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme und am Abend vielleicht noch eine Dreiviertelstunde habe, bevor das Bett wieder ruft, dann ist so eine schnelle Runde Fortnite für mich genau das richtige. Durch die kleinere Map im Vergleich zu PUBG habe ich generell nicht so eine lange Leerlaufzeit und finde relativ schnell immer wieder Action. Ich kann aber verstehen, wenn einem das Spiel nicht zusagt – sei es wegen der Comicgrafik oder der Buildmechanik. Für alle Anderen, die das Spiel allerdings aus Prinzip gemieden haben und sich bis jetzt selber kein Bild gemacht haben, denen kann ich nur empfehlen: ladet es euch runter und zockt selber. Da es umsonst ist verschwendet ihr im Extremfall vielleicht 15 Minuten eures Lebens, könnt aber auch viel Spaß dadurch erleben.