Test: Teenage Mutant Ninja Turtles: Shredder’s Revenge

EntwicklerTribute Games
PublisherDotemu
PlattformWindows, Linux, Switch, PlayStation 4, Xbox One
16. Juni 2022
16. Juni 2022
16. Juni 2022

Im März 1991 sollte die Welt der Side-Scrolling Beat em Ups in positiver Art und Weise erschüttert werden. Es erschien wohl einer der besten Vertreter des Genres, der bis heute einen sehr positiven Ruf genießt: Teenage Mutant Ninja Turtles: Turtles in Time. Eine gefühlte Ewigkeit haben Fans auf einen Nachfolger oder zumindest ein Remake gehofft – zweiteres erschien in Form von TiT: Re-shelled dann auch, war aber irgendwie nicht so gut. Also haben Tribute Games und Dotemu die Aufgabe in die Hand genommen und mit Shredder’s Revenge einen quasi Nachfolger erschaffen. Ob er an Turtles in Time heranreicht? Ich habe es für euch herausgefunden!

Teenage Mutant Ninja Turtles: Turtles in Time 2

Raphael, Donatello, Michelangelo und Leonardo wollen eigentlich nur ihr Ninja-Schildkröten Leben leben und es sich mit Pizza vor der Glotze bequem machen, doch natürlich hat Shredder was dagegen und möchte die Turtles und Splinter mit Hilfe seines Foot-Clans ein für allemal dem Erdboden gleichmachen – und New York City am besten direkt mit. Das können sich die tierischen Helden, die von Reporterin April unterstützt werden, natürlich nicht bieten lassen und holen zum Gegenschlag aus.

Gameplay und Präsentation lassen keinen Zweifel aufkommen: die Entwickler haben sich ausgiebig mit den Brawlern der Turtles Reihe, und besonders mit Turtles in Time, auseinandergesetzt. Levelintro, Healthbar, Sprites – das alles könnte direkt aus dem 1991er Teil stammen, nur für die aktuelle Generation aufgehübscht.

Das Kämpfen geht locker und sehr intuitiv von der Hand. Es gibt einen Sprung-, einen Schlag-, einen Ausweich- und einen Spezialattackenbutton, ebenso könnt ihr per Knopfdruck einen Taunt ausführen oder euren Mitspielern Lebenspunkte übergeben bzw. aus dem KO-Status befreien.

Die Kloppereien wirken wie aus aus einem Guss und lassen sich auch genau so spielen. Ihr reiht Kombo an Kombo und haut Foot-Clan Schergen einen vor den Latz, füllt damit euren Balken für eine besondere Attacke und setzt diese dann im Optimalfall bei großen Gegnermengen oder dem jeweiligen Levelboss ein, um möglichst viel Schaden anzurichten.

Das Gameplay überzeugt auf ganzer Linie.

Die Dodgeroll, also das Ausweichen mit eurem Protagonisten, verliebt dem Spiel und dem ganzen Genre eine sehr interessante Note, da ihr euch nicht mehr nur per Sprung von gegnerischen Attacken fernhalten könnt. Dazu kommt, dass die Rolle euch ein paar invincibility-Frames beschert, richtig getimed könnt ihr euch also durch die Gegnerhorden wirbeln, ohne einmal getroffen zu werden. Schade, dass die Rolle nur in der horizontalen Ebene funktioniert, nach oben oder unten lässt sich leider nicht ausweichen.

Die Level, von denen es 16 Stück gibt, sind sehr abwechslungsreich gestaltet, höchstens zum Ende hin schleicht sich ein wenig optische Routine ein. Neben bekannten Orten wie Coney Island oder dem Big Apple liefert ihr euch mit eurem Hoverboard Verfolgungsjagden auf dem Highway oder in der Luft und verlasst zum Ende hin sogar die Erde, um Shredder und seinen Untertanen eine Lektion zu erteilen.

Die Bosse überzeugen mit immer wieder neuen Angriffsmustern.

Innerhalb der Level könnt ihr versteckte Sammelgegenstände finden, die ihr gegen Punkte an bestimmten Stellen eintauschen könnt. Diese Punkte sorgen dafür, dass die Charaktere aufgelevelt werden und neue Fähigkeiten freischalten wie bspw. mehr Leben oder neue Spezialattacken. Das sorgt für Wiederspielwert mit mehreren Charakteren, da die Kampagne mit ca. 2 1/2 Stunden auch nicht sonderlich lang ist. Neben dem Story-Mode könnt ihr euch auch im Arcade-Mode versuchen, der mit einer festgelegten Anzahl an Leben daher kommt und ihr bei Verlust dieser von Beginn an anfangen müsst – so wie es damals in den namensgebenden Arcades auch der Fall war, spätestens wenn sich die Münzen dem Ende zuneigten.

Im Story-Mode bewegt ihr euch über eine Karte zu den einzelnen Leveln.

Eine der wohl größten Stärken des Spiels neben dem superflüssigen Gameplay ist wohl der Multiplayer-Part von Shredder’s Revenge. Mit bis zu 5 weiteren Spielern auf Clanjagd zu gehen ist absolut chaotisch und gleichzeitig verdammt witzig. Die Stärke bzw. Lebenspunkte der Bosse skalieren mit, mehr Leute bedeuten als nicht automatisch leichterer Schwierigkeitsgrad. Apropos Schwierigkeitsgrad: ihr könnt zwischen drei Stufen wählen, im Endeffekt ist aber selbst der schwierigste keine unlösbare Aufgabe.

Je mehr Fighter, desto mehr Spaß.

Das klingt, in Kombination mit der Spielzeit der Kampagne, erst einmal nach einem kurzen Vergnügen, das ziemlich schnell seine Faszination verlieren kann. Prinzipiell ist das auch wahr, man muss TMNT: Shredder’s Revenge aber im Kontext seines Genres betrachten. Brawler bzw. Beat ‚em Ups leben von ihrer Kurzweiligkeit und sind zwar keine Umfangmonster, laden aber immer wieder durch den sehr schnellen Zugang zum Zocken ein. Daher ist es auch nur fair, dass für das Spiel nicht der Preis für ein „richtigen“ Vollpreistitel aufgerufen wird – für unter 30€ kann man mit den kampferprobten Schildkröten schon ein paar Fäuste verteilen, Game Pass User konnten zu Release auch schon zuschlagen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie erwähnt, das Gameplay ist das Herzstück des Spiels und macht einen fantastischen Job. Fans von Turtles in Time fühlen sich sofort heimisch und haben wohl zwangsweise das Gefühl, dass man hier den offiziellen zweiten Teil zockt. Meiner Meinung nach hat es sogar das tolle Streets of Rage 4 um ein paar Längen geschlagen.

Präsentation zwischen Retro und Modern

Auch von der technischen Seite gibt es eigentlich nichts zu beklagen. Die Sprites sehen wunderschön aus und sind wirklich smooth animiert und bekommen durch die hohe Auflösung einen modernen Look. Das ganze Spiel ist in 2D gehalten, auch Effekte oder Partikel finden alle zweidimensional statt, kein Mischmasch mit Polygon-Elementen.

Die Story wird in kurzen Zwischensequenzen erzählt.

Der Soundtrack ist mit das beste, was ich in den letzten Jahren gehört habe. Zwischen Top-Gun’schen Rockhymnen und 16-Bit Dudelmusik wird wohl jeder Geschmack bedient, die 90er werden musikalisch perfekt eingefangen.

Der einzige Kritikpunkt, den ich für die Kategorie geben kann, ist die deutsche Lokalisation. An manchen Stellen wurde wohl einfach die erstbeste Übersetzung gewählt, so dass man NPCs beispielsweise gespeichert und nicht gerettet hat. Da hätte man entweder gar keine Übersetzung anbieten oder es halt direkt vernünftig machen sollen, so wirkt es ein wenig hingeschludert.

Fazit

Nach zweieinhalb Stunden war es vorbei. Und danach war es nach zweieinhalb Stunden schon wieder vorbei. Und danach… – ihr denke ihr wisst, worauf ich hinaus will. Nach einem Durchlauf wurde Shredder’s Revenge wieder angeworfen, diesmal mit einem anderen Charakter oder mal online mit weiteren Mitspielern. Auch wenn man schnell alles gesehen hat, das Spiel macht einfach Spaß, ganz unabhängig von der Länge. Man fühlt sich wieder in die 90er versetzt, als besonders auf dem SNES viele Brawler von Arcades portiert wurden und trotz geringem Umfang immer wieder vor den Bildschirm gelockt haben. Für mich ist Shredder’s Revenge einer der besten Titel des Jahres bisher und eines der besten Beat ‚em Ups aller Zeiten. Am Gameplay kann ich einfach nichts großartig kritisieren, es spielt sich absolut rund und verbindet „alte“ Mechaniken mit neuen Möglichkeiten. Besonders mit Freunden spielen die Turtles dann endgültig ihre ganze Stärke aus. Klare Kaufempfehlung meinerseits!

8.8

Gameplay

9.4/10

Grafik

9.0/10

Sound

8.9/10

Umfang

7.7/10

Pros

  • Perfektes Gameplay
  • Einwandfreie Präsentation
  • Treibender Soundtrack

Cons

  • Geringer Umfang
Über Pat 179 Artikel
Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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