Sweet Home – das erste Resident Evil

Wenn man Survival-Horror denkt, dann fällt einem wohl ohne zu zögern Resident Evil ein. Das ursprüngliche Abenteuer rund um das Herrenhaus mit seinen untoten Bewohnern hat sich mittlerweile zu einem milliardenschweren Franchise entwickelt und neben Spielen unteranderem auch Filme, Bücher und Serien hervorgebracht und ist aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Der Erfolg des Spiels aus dem Hause Capcoms ist anderen Entwicklern natürlich nicht verborgen geblieben, so dass unzählige (ebenfalls sehr erfolgreiche) Alternativen für das Genre entstanden sind. Videospielkenner könnten jetzt natürlich ihr Veto einlegen und entgegnen, dass Resident Evil selbst nur eine sehr gute Weiterentwicklung der Alone in the Dark Reihe war und das Genre gar nicht mehr erfunden hat. Das mag durchaus stimmen, doch die Wurzeln reichen noch viel weiter, genauer gesagt bis zum NES…

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Sweet_Home_%281989_film%29#/media/File:Suito-homu-japanese-movie-poster-md.jpg

1989 erschien in Japan der Gruselstreifen Sweet Home, in dem eine Filmcrew um Direktor Kazuo ein altes Anwesen nach Fresken des verstorbenen Malers Ichiro Mamiya durchleuchten möchte und schon bald auf jede Menge übernatürlicher Gefahren stößt, die den Mitgliedern nach dem Leben trachten. An sich erst einmal nichts ungewöhnliches für einen Horrorfilm – es gab jedoch eine Sache, die ihm ein Alleinstellungsmerkmal bescherte: Sweet Home ist wohl der erste Film, der einen crossmedialen Bezug zu einem Videospiel hergestellt hat. Spiel und Film bauen aufeinander auf und sind nicht jeweils nur eine Versoftung bzw. auf Zelluloid gebannte Version des Ursprungsmaterial. Jūzō Itami, seines Zeichens Schauspieler und Regisseur, war als (Mit)Produzent sowohl für den Film als auch für das Spiel zuständig und hat beide Medien miteinander verknüpft. Doch was hat das Ganze nun mit Resident Evil zu tun?

Sweet Home für den NES wurde von Capcom unter der Führung von Tokuro Fujiwara entwickelt und ebenfalls 1989 veröffentlicht. Fujiwara hatte von Itami und dem Regisseur des Films, Kiyoshi Kurosawa, eine Führung durch die verschiedenen Filmsets erhalten und sollte darauf aufbauend das dazu passende Videospiel kreieren. Heraus kam ein für seine Zeit bahnbrechendes Survival-Horror-JRPG, das Rollenspiel mit einem begrenzten Item-Management, Metroidvaniaanleihen und Permadeath-Features verband und so ein neues Genre aus dem Boden stampfte.

Quelle: https://residentevil.com.br/wp-content/uploads/2017/09/74267-sweet-home-nes-screenshot-opening-door-animation.png

Kommt euch diese Animation bekannt vor? Ja, selbst die Türanimationen hat Capcom für Resident Evil als Ladescreen benutzt und damit wohl eine der bekanntesten Videospielsituationen geschaffen. Resident Evil wurde ursprünglich als Nachfolger zu Sweet Home konzipiert und sollte aus der Egoperspektive gesteuert werden, so wie auch die Kämpfe im Ursprungstitel abliefen.

Quelle: https://freegametips.com/sweet-home-retro-reviews-of-the-game-that-invented-survival-horror/

Schlussendlich wurde aus dem geplanten Sweet Home Remake doch Resident Evil, auch weil Capcom davon ausging, dass ein JRPG zu der damaligen Zeit bei der westlichen Käuferschaft nicht so gut ankommen würde wie ein actiongeladenes Horroradventure. Wie sich herausstellen sollte war das auch die richtige Entscheidung, der Erfolg von Resi hält bis heute an und ist wohl eine der größten Videospielreihen aller Zeiten. Dennoch wäre es interessant gewesen zu sehen, wie Capcom ein Horror-RPG mit der leistungsstarken Playstation umgesetzt hätte.

Sweet Home hat den Grundstein für ein ganzes Genre gelegt, doch erst mit Resident Evil hat sich auch der internationale Erfolg eingestellt. Multiple Enden, Item-Management, Rätsel, ein altes Herrenhaus – wenn sich der Untote in Sweet Home zum Spieler dreht und man sofort diese ikonische Szene im Kopf hat:

Quelle: https://www.buffed.de/Meinung-und-Kolumne-Thema-200184/Specials/Retro-Meilensteine-der-Videospielgeschichte-Resident-Evil-1173105/

dann weiß man sofort, was Capcom als Ursprungsmaterial genutzt hat.

Sweet Home hatte für den NES und auch für’s Gaming allgemein einen Impact, den wir im Westen kaum bis gar nicht gemerkt haben, weil das Spiel nur in Japan erschienen ist (es gibt jedoch Fanübersetzungen in ROM Form). Dennoch ist diese Software ein Stück Videospielgeschichte und die Geburtsstunde des Survival-Horrors. Es ist das erste Resident Evil.

Über Pat 185 Artikel
Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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