Test: Murder House

EntwicklerPuppet Combo
PublisherPuppet Combo
PlattformPC, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch
23. Oktober 2020 (PC) | 14. Oktober 2021 (Konsolen)
23. Oktober 2020 (PC) | 14. Oktober 2021 (Konsolen)
23. Oktober 2020 (PC) | 14. Oktober 2021 (Konsolen)

80er-Jahre Slasher Movie trifft auf Playstation Survival-Horror – so ließe sich Murder House wohl am besten beschreiben. Entwickler und Publisher Puppet Combo hetzt euch einen Killer im Osterhasenkostüm auf den Hals, der selbst vor Kindern und Neugeborenen keinen Halt macht. Aber wie steht es spielerisch um den Slasher? Schockierend gut oder doch blutleere Unterhaltung?

B-Movie Vibes

Emma hat es nicht leicht. Als Referendarin beim heimischen TV Sender Channel 9 führt sie ihr erster Job in ein verlassenes Haus, das angeblich mal dem Easter Ripper, einem Serienkiller in einem Osterhasenkostüm, gehören sollte. Ihr Chef Gary macht den unangenehmen Besuch dabei nicht gerade erträglicher, da er Emma und den Rest der Crew quer durch das scheinbar verlassene Anwesen jagt, immer auf der Suche nach den besten Spots für eine reißerische Story. Doch so verlassen wie es zu Anfang wirkte, ist es natürlich nicht. Und so beginnt eine mörderische Ostereierjagd, die das schreckliche Ausmaß der Easter Ripper Taten offenbart.

Tagsüber Osterhase im lokalen EInkaufszentrum, nachts skrupelloser Killer.

Klar, die Geschichte trieft natürlich nicht vor Originalität oder Ideenreichtum, aber wie schon zu Beginn erwähnt: Murder House ist ein spielbarer 80s Slasher und da waren die Stories ja auch meistens notwendiges Übel, um den Blutbädern wenigstens irgendeine Art Rahmenhandlung zu geben. Und das macht Murder House auch durchaus solide. Das man bei der Prämisse kein Nier oder Last of Us erwarten kann sollte klar sein, zumal es sogar einen kleinen Twist gibt, den man so vielleicht nicht unbedingt vorausahnt.

Die Taten des Easter Rippers werden größtenteils durch Tagebucheinträge aus der Sicht der Opfer geschildert und meine Güte, dass ist teilweise nichts für zartbesaitete Seelen – da merkt man, dass Murder House von einem Indie-Studio kommt und man keine Vorgaben eines großen Publishers einhalten musste. So explizite Texte habe ich in kaum einem anderen Horror-Spiel gelesen und passt aber auch perfekt in dieses dreckige und hoffnungslose Setting.

Der Easter Ripper in Action. Gnade braucht man bei diesem Bösewicht nicht erwarten.

Survival-Horror a la Playstation 1

Und so wie die Story den 80er-Horrorfilm Flair einfängt, so spielt sich Murder House wie klassischer Playstation 1 Survival-Horror. Ihr steuert Emma mit Hilfe von Tankcontrols und vorgegebenen Kameraeinstellungen durch das überschaubare Anwesen, sammelt fleißig Items und löst kleine Rätsel, die sich meistens aber auf „Finde Item A, nutze es an Stelle B und erhalte Item C“ belaufen und kein wirkliches Kopfzerbrechen auslösen. Speichern könnt ihr euren Fortschritt, indem ihr Stifte sammelt und euren Progress in einem Tagebuch niederschreibt – die Farbbänder und Schreibmaschinen aus Resident Evil lassen grüßen. Nebenbei findet ihr auch Waffen, mit denen ihr euch gegen euren einzigen Gegner, dem Easter Ripper, zur Wehr setzen, ihn aber nie endgültig ausschalten könnt – ähnlich wie Mr. X oder Nemesis aus den Resident Evil Teilen. Ihr könnt den zufälligen Kämpfen aber auch komplett aus dem Weg gehen und euch in Schränken oder unter Betten verstecken. Dabei macht die KI nicht immer den besten Eindruck, denn oft reicht schon das erneute Betreten eines Raumes aus, um den Killer für einige Zeit los zu werden.

Das Gameplay erfüllt seine Aufgabe, reißt aber keine Bäume aus bzw. Köpfe ab und dient, wie schon die Story, eher als Mittel zum Zweck. Denn wenn Murder House etwas verdammt gut rüberbringt, dann ist es seine Atmosphäre. Obwohl das Spiel in einer Low-Poly Pixeloptik gehalten ist und die Synchronsprecher zwar einen guten Job machen, die Zeilen sich aber wie durch eine Blechdose aufgenommen anhören (wie halt zu älteren Filmzeiten), ist die Spannung kaum zu ertragen und lässt den Puls höher schlagen als so manches aktuelle Horrorgame mit High-End Grafik und fettem Budget. Die Aufeinandertreffen mit dem Killer kommen im Optimalfall nicht häufig vor, wenn es dann aber doch soweit ist, dann geht einem schon gehörig die Pumpe. Trotz einer kurzen Spielzeit von ca. 2 Stunden hat sich der Easter Ripper einen Platz in meiner Hall of Fame der Spielbösewichte ergattert.

Die Schriftstücke im Spiel sind teilweise, besonders zum Ende hin, sehr verstörend.

Doch neben dem mörderischen Osterhasen gibt es doch noch einen Gegner, der mir fast noch mehr Kopfschmerzen bereitet hat: die Kamera. Generell funktioniert die Kamera wie in Silent Hill 1, man hat vorgegebene Winkel, die sich jedoch dynamisch mit der Figur mitbewegen. Diese sind aber so ungünstig gewählt, dass man oft nichts sieht weil man in wortwörtlich in Emmas Oberkörper steckt oder irgendeine Wand im Weg steht. Es gibt zwar die Möglichkeit, die Kamera per Tastendruck hinter die Protagonistin zu zentrieren, aber das ständige Halten des Buttons kann ja auch nicht Sinn der Sache sein.

Was hingegen wieder sehr gut gelungen ist, ist die musikalische Untermalung. Auch hier wurde dieses 80er B-Movie Flair perfekt eingefangen, minimalistische Synthie-Sounds wechseln sich mit furchteinflößenden Kompositionen ab und runden die Atmosphäre perfekt ab.

Ebenfalls nett: ihr könnt verschiedene Filter über das Spiel legen (VHS, PSX, CRT, uvm.) oder es sogar, nachgereichtem Patch sei Dank, in der First-Person Ansicht zocken. Das macht das ganze Abenteuer noch eine ganze Ecke schauriger.

Fazit

Vorweg: man muss ein Faible für Horrorspiele haben und darf sich auch von „schlechter“ Grafik und einem anspruchslosen Gameplay nicht abschrecken lassen. Wenn das auf euch zutrifft, dann solltet ihr Murder House unbedingt eine Chance geben. Dieses dreckige Flair, der absolut unbarmherzige Easter Ripper und die zugegebenermaßen stumpfe aber doch spannende Story machen diesen Trip in die 80er-Jahre zu einem sehr kurzweiligen und sehr spannenden Spaß, der fast ohne Jumpscares auskommt und trotzdem mehr Schrecken verbreitet, als diese ganzen Horrorspiele, die meiner Meinung nach fast ausschließlich für Twitch entwickelt wurden und immer noch werden, um mit möglichst vielen Jumpscares möglichst viele Klicks zu generieren („DIESES SPIEL IST DER BLANKE HORROR“, „SO SEHR HABE ICH MICH NOCH NIE ERSCHRECKT“, „DER HEFTIGSTE JUMPSCARE DER VIDEOSPIELGESCHICHTE!“). Für 10€, die das Spiel auf den gängigen Plattformen kostet, machen Horrorfans nichts falsch. Für mich ein absoluter Geheimtipp für Fans des Genres!

P.S.: Die hohen Punktzahlen bei Grafik/Sound stehen in diesem Fall für die Atmosphäre, da ich diese nicht separat bewerte.

7.9

Gameplay

7.5/10

Grafik

9.0/10

Sound

9.0/10

Umfang

6.0/10

Pros

  • Grandiose Atmosphäre
  • Furchteinflößender Antagonist
  • Charmante Grafik

Cons

  • Kein Wiederspielwert
  • Kamera teilweise katastrophal
  • Sehr kurze Spieldauer
Über Pat 185 Artikel
Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*