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Test: Monster Rancher 1&2 DX

Test: Monster Rancher 1&2 DX

Pokemon, Digimon oder auch Tamagotchis – die Aufzucht von digitalen Monstern hat sich seit Mitte der 1990er einen Stammplatz im (Gaming-)Mainstream gesichert und verteidigt diesen mal mehr (Pokemon), mal weniger (Tamagotchi) erfolgreich. Doch neben den großen Marken und Namen, die es auch in die westliche Welt geschafft haben, gibt es vor allem in Japan eine Vielzahl an Spielen, die hierzulande kaum bis gar keine Beachtung fanden und immer noch nicht finden. Eine Reihe, die in Deutschland wenn dann eher durch Animes als durch Videospiele Bekanntheit erlangt haben könnte, ist das Monster Rancher Franchise. Mit Monster Rancher 1 & 2 DX hat KOEI Tecmo die Playstation 1 Titel auf der Nintendo Switch noch einmal neu veröffentlicht. Doch können die sogenannten Raising Sims heute noch begeistern?

Zuckerbrot & Peitsche

Das Spielprinzip von Monster Rancher ist schnell erklärt: ihr nehmt ein Monster bei euch auf und kümmert euch darum. Ihr müsst euren Kumpanen füttern, trainieren und genügend Erholungszeiten gönnen, um es dann schlussendlich in Arenakämpfen gegen andere Geschöpfe antreten zu lassen und so in immer höherklassige Ligen aufzusteigen oder Turniere zu gewinnen. Auch altern kann und wird euer Monster, so dass es nach einer bestimmten In-Game Zeit das Zeitliche segnet wird – versucht also, so wenig Zeit wie möglich mit eurem Haustier zu verschwenden und jede Woche optimal zu nutzen.

Futter muss mit erspieltem Gold für die Monster gekauft werden. Verwöhnt eure Begleiter nur nicht zu viel, sonst werden sie faul.

Doch wie kommt man überhaupt an diese Geschöpfe? In Monster Rancher wird nicht gefangen, stattdessen wird euch zu Beginn eine Auswahl an Monstern zur Verfügung gestellt, aus der ihr einen Begleiter bestimmen könnt, der euch dann begleitet – mehrere Monster gleichzeitig zu halten ist nämlich nicht möglich. Leider hat es ein – oder sollte man sagen: das – Feature der Playstation 1 Version nicht auf die Switch geschafft, was tatsächlich an einer technischen Limitierung der Switch liegt: die Nintendo Konsole bietet kein CD-Rom Laufwerk. In Monster Rancher 1 & 2 war es damals nämlich möglich, Monster mit Hilfe von Audio-CDs zu erschaffen. Ihr habt die Musik-CD eingelegt und das Spiel hat dann anhand der Audiospuren eure „Haustiere“ erschaffen, was sich natürlich zu einer großen Sammelei entwickelt hat und man jedes Musikstück in die PS1 gelegt hat, um eventuell immer wieder bessere Monster zu erhalten. In der Switch Version würde diese Möglichkeit theoretisch rausfallen, KOEI Tecmo hat allerdings eine Audio-Datenbank ins Spiel implementiert, um zumindest aus einer großen Auswahl an Musiktiteln wählen zu können. Das funktioniert auch überraschend gut, besonders bekannte Pop-Titel findet man zuhauf.

Never Gonna Give You Up von Rick Astley hat mir diesen Affen generiert – das Audio-Feature von Monster Rancher 1&2 DX ist ein witziges Feature

Und wie sieht so eine typische Woche eines Ranchers aus? Ihr füttert euer Tier mit einer Auswahl von verschiedenen Gerichten, schickt eure Monster auf „Lehrgänge“, lasst sie alltägliche Arbeit verrichten (was im Spiel wie Training wirkt) und sich dementsprechend auch ausruhen. Sowohl die Speisen als auch das Training beeinflussen die Werte der Monster, von denen es insgesamt sechs gibt: Stärke. Intelligenz, Leben, Skill, Geschwindigkeit und Defensive. Besonders beim Training muss man aber darauf achten, dass man einen ausgewogenen Plan erstellt, denn jede Aufgabe füllt zwar bestimmte Stats, nimmt aber an einer anderen Stelle auch wieder welche weg. So habt ihr die Möglichkeit, euch entweder zu spezialisieren oder irgendwie einen Mittelweg zu finden, was aber langfristig schwieriger wird. Neben den Fähigkeiten müsst ihr euch aber auch um das Seelenwohl eures Begleiters kümmern. Lob und Tadel müssen wohldosiert eingesetzt werden, denn sonst verweigert eurer Monster möglicherweise Befehle im Kampf oder liefert keine guten Trainingsleistungen mehr ab. Es gibt außerdem die Möglichkeit, Gegenstände mit eurem in Turnieren verdienten Geld zu kaufen, die Buffs gewähren, aber auch Nebenwirkungen verursachen. Ihr könnt eurem Monster beispielsweise „Vitamine“ verabreichen, die gewisse Stats zwar stärken, dafür aber die Lebenserwartung des Tiers erheblich senken. Ihr merkt also schon, dass Leben eines Ranchers kann anstrengend werden und erfordert viel Taktik und ständiges Vorausschauen.

Vor jedem Kampf werden die Stats gegenübergestellt. So könnt ihr euch schon vorher ein Bild von eurem Gegner machen.

Die Kämpfe sind relativ simpel gehalten, sorgen aber trotzdem für einen gewissen Nervenkitzel. Sobald sich die Monster in der Arena gegenüberstehen, werden die Kontrahenten mit den Schultertasten auf einer imaginären Schiene bewegt, um so den Abstand zu bestimmen und davon ausgehend Attacken ausgelöst werden. So lassen sich aus der Nähe Beißattacken ausführen, während man bei mittlerer Distanz den Schwanzschlag auspackt. Jede Attacke verbraucht dabei Moral, die man mit AP aus Rollenspielen gleichsetzen kann. So entwickelt sich ein ständiges Vor und Zurück, bei dem man den Einsatz der Angriffe plant und dabei immer wieder auf seine Moral achten muss – Angriffsspam wird so der Riegel vorgeschoben. Siege kann man auf zwei Arten einfahren: entweder bringt man die Lebensleiste des Gegners auf 0, oder man hat nach Ablauf der Zeit mehr HP auf dem eigenen Konto.

Im unteren Bereich sieht man die Entfernung zum Gegner und die damit einhergehenden Attacken.

Fazit

Macht das Spielprinzip auch über 20 Jahre nach dem ursprünglichen PS1 Release noch Spaß? Überraschenderweise ja! Auch wenn es technisch bzw. grafisch kein Upgrade ist und es im Prinzip die Originalversionen mit einigen spielerischen Verbesserungen sind, die aber nur Kennern des Originals auffallen dürften(mehr Speicherplätze, Fast Forward in einigen Szenen, Einfrieren von bis zu 20 Monstern), konnte Monster Rancher 1 & 2 DX mich an den Bildschirm fesseln. Klar, die grobpixeligen Renderhintergründe und die generell minimalistisch anmutende Präsentation macht heute keinen guten Eindruck mehr, man sollte aber bedenken, dass die Spiele über 20 Jahre alt sind und spielerisch trotzdem ihren Reiz haben. Es wird repetitiv und unspektakulär, dafür macht es umso mehr Spaß, die Entwicklung des eigenen Monsters zu begleiten und Stück für Stück in der Rangliste zu klettern. Während der Ausarbeitung des Reviews kam es öfter mal vor, dass ich mir kurz bestimmte Spielsysteme anschauen wollte und plötzlich wieder zwei Stunden an der Switch hing. Monster Rancher 1 & 2 DX hat so ein wenig diese Fussball Manager / Civilization Faszination für mich entfacht, dieses „Eine In-Game Woche lasse ich noch laufen und dann reichts“ und plötzlich ist schon wieder ein Jahr vergangen. Wenn ihr euch also auch mit alter Technik und einer Playstation 1 Präsentation anfreunden könnt, ihr aber Fans von solchen Aufzuchtspielen seid, dann solltet ihr euch Monster Rancher 1 & 2 DX durchaus mal anschauen.

7.4

Gameplay

8.5/10

Grafik

6.0/10

Sound

6.5/10

Umfang

8.7/10

Pros

  • Süchtigmachendes Spielprinzip
  • Witzige Musik-Idee

Cons

  • Grafisch veraltet
  • Sehr simple Animationen
Pat

Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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