Review: Mega Man 11 – Aus alt mach neu

4/5
  • Gameplay
    4/5
  • Grafik
    3.5/5
  • Sound
    4/5
  • Umfang
    3/5

Die Mega Man Reihe gilt zum einen als Klassiker unter den Videospielen, zum anderen aber auch gleichzeitig als bockschweres Stück Videospielgeschichte. Mega Man 11 versucht mit neuen Mechaniken, sowohl Anfängern als auch Mega Man Veteranen zu gefallen. Doch hat Capcom diesen Spagat geschafft oder ist dem Blaster doch die Energie ausgegangen?

Eine spannende und wendungsreiche Geschichte…

…sucht man auch in diesem Mega Man Teil natürlich vergeblich. Dr. Wily und Dr. Light haben mal wieder Stress, da Light Wilys Erfindung – die Double Gear Mechanik – nicht genug geschätzt hat und das ganze Unterfangen zu gefährlich fand. Wily möchte seinem damaligen Freund das Gegenteil beweisen und Light dabei auch noch eins auswischen und entführt kurzerhand alle Robotergehilfen von Dr. Light und macht diese zu seiner eigenen Armee. Da muss Mega Man dann selbstverständlich intervenieren und dem Bösewicht das Handwerk legen. Bei der Entführungsaktion von Wily hat dieser dummerweise sein Double Gear Utensil verloren, so dass Mega Man kurzerhand neue Möglichkeiten hat, um seine damaligen Kollegen zu besiegen und deren Kräfte aufzunehmen.

Wenn man ehrlich ist war die Geschichte auch nie die wirkliche Stärke der Mega Man Spiele. Sie dient nur als Mittel zum Zweck, für mich in diesem Falle aber auch vollkommen ausreichend. Ich möchte nicht in eine epische Story verwickelt werden, ich will als blasterverschießender Mega Man nur andere Mans besiegen und so immer mächtiger werden.

Anspruchsvolles Gameplay…

…bietet Mega Man 11 im Gegensatz zur Geschichte aber mehr als genug. MM11 ist ein Action Platformer Jump ’n‘ Run Mix, der teilweise sehr sehr schwer werden kann. Man ballert sich als Mega Man durch thematisch unterschiedliche Level, meistert Sprung- und Autoscroll-Passagen und muss am Ende einen der insgesamt acht Bosse besiegen. Sobald man diesen legt bekommt man die Fähigkeit, mit der er einem vorher noch zugesetzt hat, selber verliehen und wird so von Boss zu Boss immer stärker und in den Angriffen variabler. Nach den acht Bossen folgt dann übrigens noch der Sturm auf die Festung von Dr. Wily, dort gibt es dann aber keine Kräfte mehr zu absorbieren.

Sollte das Spiel mal zu schwierig sein kann man bei Dr. Light und seiner Entourage im Shop mit in den Leveln eingesammelten Schrauben Power-Ups und kleine Helfer kaufen, die einem das Weiterkommen einfacher gestalten. So lassen sich Energie- und Waffencontainer, die die Lebenspunkte oder „Munition“ wieder auffüllen, Robofreunde, die einem bei einem Absturz auffangen und wieder ins Level bringen oder eine automatische Blasteraufladung kaufen.

Neben dem Shop hilft auch die Double Gear Funktion, harte Stellen zu meistern. Ihr könnt damit nämlich entweder die Zeit für ein bestimmtes Zeitfenster verlangsamen oder eure Angriffe für einige Augenblicke stärker machen. In wirklichen Notfällen könnt ihr auch beide Kräfte gemeinsam aktivieren, um so das Beste aus dem Double Gear herauszuholen. Das Double Gear System lässt sich aber nicht beliebig oft einsetzen, nach der Nutzung gibt es eine Abklingzeit, die das Spammen verhindert.

Als nicht wirklich Mega Man-affiner Spieler musste ich sowohl Shop als auch Double Gear öfter mal einsetzen, was das Spiel zwar leichter, für mich aber auch fairer gemacht hat. Bei einigen Stellen würde ich zum Beispiel ohne Zeitlupenfunktion wahrscheinlich heute noch hängen. Dass liegt meiner Meinung nach vor allem an der nicht immer richtig erfassten Eingabe auf dem Controller, so dass einige Sprünge vom Spiel nicht angenommen wurden und ich öfter als mir lieb war in den Tod gestürzt bin.

Ansonsten ist das Gameplay aber knackig und direkt, ich kann bis auf den vorherigen Punkt und dem vielleicht manchmal etwas zu harten Schwierigkeitsgrad (Mega Man Veteranen werden mich sicher auslachen) nicht wirklich was bemängeln. Lediglich die kurze Spielzeit ist auch noch ein kleiner Wermutstropfen, der durch mehrere Schwierigkeitsgrade aber noch verschmerzbar ist – ich habe knapp vier Stunden gebraucht, hatte aber auch Pausen drin.

Sieht chic aus und hört sich gut an

Von technischer Seite gibt es ebenfalls nicht viel zu meckern, das Spiel hat den 2D-Charme der Vorgänger schön ins 2,5D übernommen, sieht schön aus und läuft auch flüssig (getestet auf der Xbox One X) – Slowdowns oder ähnliches habe ich nicht erlebt. Die Level sind bunt und bieten schöne Details, leider werden in vielen Abschnitten Monster recyclt und bekommen dann nur einen neuen Farbpalettenanstrich. Da hätte ich mir vielleicht etwas mehr Abwechslung gewünscht.

Die Musik und die Soundeffekte sind ebenfalls stimmig und passen gut zu dem bunten und comichaften Stil Mega Mans. Besonders einige der Songs haben es mir echt angetan, da hat Capcom tolle Arbeit geleistet.

Fazit

Obwohl ich die Vorgänger kaum bis gar nicht gespielt habe hatte ich mit Mega Man 11 für ein paar Stunden wirklich viel Spaß. Besonders das Erledigen der Bosse und die damit einhergehende Übernahme der Kräfte hat mich sehr motiviert und an den Bildschirm gefesselt. Dadurch kann man sich Taktiken zurecht legen, welchen Boss man am besten wann besiegt, um den gewonnenen Angriff dann gegen den richtigen nächsten Boss einzusetzen. Einzig der teilweise etwas zu hohe Schwierigkeitsgrad und die manchmal ungenaue Steuerung haben mich ein wenig frustriert. Für den schmalen Taler und/oder von Fans des Genres gibt es von mir aber eine klare Kaufempfehlung und auch Mega Man Neulinge sollten unbedingt mal reinschauen, mich hat das Spiel auf jeden Fall zu einem Fan der Serie gemacht.

Bildquellen

  • Mega_Man_11_Beitragsbild: Pat