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Review: Triangle Strategy

Review: Triangle Strategy

Seit Jahren stellen sich Fans die gleiche Frage: Was ist eigentlich mit Final Fantasy Tactics? Für viele Freunde der japanischen Spielekunst stellt das 1997 erschienene Strategie Rollenspiel immer noch etwas ganz Besonderes dar. Zwar gab es immer mal wieder Neuauflagen für neuere Handheld Konsolen oder sogar Handy Versionen, auf einen richtigen Nachfolger (oder einen Switch Port) wartet man seit Jahren vergebens. Und was macht Publisher Square Enix natürlich in diesem Fall? Genau. Sie bringen ein Spiel heraus was zwar wie Final Fantasy Tactics ausschaut, es aber nicht ist.

Octopath Traveler Tactics?

Zuständig für Triangle Strategy ist Tomoya Asano und das Studio Artdink. Während Artdrink in den letzten Jahren an weniger großen Titeln gearbeitet hat, gibt das Werk von Tomoya Asano mehr Informationen in welche Richtung die Reise hier geht: Bravely Default 2, Octopath Traveler, Bravely Second, nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Gerade die Ähnlichkeit zu Octopath Traveler springt einem direkt ins Auge. Der immer beliebter werdende 2DHD Look kommt nämlich auch hier zum Einsatz. Doch wie viel Octopath Traveler steckt sonst noch in Triangle Strategy? Und wie viel vom glorreichen Final Fantasy Tactics?

Fangen wir erst einmal bei der Geschichte an: Triangle Strategy spielt auf dem fiktiven Kontinent Norzelia, auf dem 3 große Nationen beheimatet sind: Aesfrost, Heissand und Glenbrock. Heissand, ein religiös geführtes Land, ist gesegnet mit einem Salzvorkommen, was in der Welt von Norzelia die wichtigste Ressource ist, und dominiert damit die Wirtschaft. Dies führt immer wieder zu Spannungen und letztendlich zum großen Salzeisenkrieg zwischen den 3 Nationen. Das Spiel beginnt am Ende dieses Krieges, dessen Konsequenz direkte Auswirkungen auf Hauptprotagonist Serenoa hat.

Die Geschichte ist die Stärke von Triangle Strategy

Serenoa ist der Erbe des mächtigsten Hauses im Königreich Glenbrock und wurde auserkoren Frederica aus Aesfrost zu heiraten. Damit soll ein starkes Bündnis der beiden unterlegenen Nationen geschaffen werden, was für etwas Gleichgewicht im Machtgefüge sorgen soll. Was sich hieraus entwickelt kann man sehr gut mit der Geschichte von Game of Thrones vergleichen: Intrigen, politische Schachzüge und dramatische Ereignisse sorgen immer wieder für große Spannungen. Triangle Strategy baut hier eine der interessantesten Spielewelten der letzten Jahre zusammen und schafft es, nicht wie Game of Thrones, dieses Niveau bis zum Ende zu halten. Besonders beeindruckend ist, dass die Geschichte nie auf einfache „schwarz oder weiß“ Entscheidungen hinausläuft. Klar gibt es einen Antagonisten (mit dem grandiosen Namen Gustaldolph), aber dessen Motive sind manchmal leicht nachzuvollziehen und gar nicht so böse, während die Gruppe der Protagonisten Entscheidungen treffen kann die weitreichenden Konsequenzen haben. Das macht die Geschichte wirklich sehr erwachsen und wenig vorhersehbar. Wer bereit ist viele Dialoge zu hören und sich gerne Zeit für Geschichten nimmt wird hier definitiv belohnt. Das ist dann aber auch der große Unterschied zur Inspiration Final Fantasy Tactics, wo die (ebenso sehr gute) Geschichte eher Beiwerk zum Klassen grinden und taktieren auf dem Schlachtfeld war.

Die Qual der Wahl

Ein weiterer sehr guter Aspekt der Geschichte ist die Entscheidungsfreiheit des Spielers. Es gibt 3 Prinzipien in der Welt: Nutzdenken, Moral und Freiheit. Jede Antwort, jede strategische Entscheidung wird nach diesen 3 Prinzipien eingeteilt was Auswirkungen hat auf die Leute die sich einem anschließen, der Reaktion des Volkes und der direkten Berater. Manchmal ist das ganze etwas unübersichtlich, was jetzt wirklich das belastete Prinzip ist. Wenn einen die zukünftige Ehefrau fragt was man von ihrer Haarfarbe hält (macht in der Welt tatsächlich Sinn) und am Ende das Fenster kommt das sich seine Position gefestigt hat ist das erst Mal seltsam. Doch in den meisten Fällen hat das ganze wirklich Auswirkungen auf die Orte die man bereist, die Konflikte die man löst und die Art wie man es tut. Besonders interessant sind dort die Abstimmungen. Im Hause Wolffort werden Entscheidungen nämlich per Waage gefällt. Einmal pro Kapitel kommen dann alle Party Mitglieder zusammen und legen ihre Wahl in die Schalen der Waage des Urteils und legen damit den weiteren Spielverlauf fest. Als Spieler bekommt man vorher immer die Möglichkeit sich in der Welt Informationen zu sammeln, mit denen man die Team Mitglieder umstimmen kann und von seinem bevorzugten Weg zu überzeugen. Es kann aber durchaus passieren das dies nicht gelingt und man eine Abzweigung nimmt, die man so gar nicht wollte. Das gibt dem Ganzen noch ein weiteres spannendes Element. Es gab wirklich dramatische Entscheidungen, bei der eine Stimme den Verlauf der Geschichte mächtig auf den Kopf gestellt hätte. Das Spiel hat letztendlich insgesamt 4 verschiedene Enden, plus ein paar vorzeitigen die einem Game Over gleichkommen. Auch wenn nicht jede Entscheidung am Ende so einen großen Einfluss hat wie man vermutet, ist es gerade für die letzte Entscheidung wichtig wie man sich im Laufe des Spiels verhalten hat da man dort nur schwer jemanden umstimmen kann. Und man möchte ja nicht nach 30 Spielstunden ein Ende serviert bekommen, was einem gar nicht schmeckt.

Auch die Kämpfe stehen der Geschichte in nichts nach.

Bei den Kämpfen erfindet Triangle Strategy jetzt nicht unbedingt das Rad neu. Wer schon mal ein taktisches Rollenspiel gespielt hat, kennt die Prinzipien. Es gibt Heiler, Fernkämpfer, Zauberer und Nahkämpfer, die es taktisch clever in rundenbasierten Kämpfen über ein schön gestaltetes, Schachbrett ähnliches Spielfeld zu führen gilt. Während man zu Beginn des Spiels noch relativ leicht durch die Kämpfe kommt, nimmt das ganze dann aber ordentlich an Schwierigkeit zu. Man muss sich wirklich mit seinen Einheiten, dem Gegner und dem Terrain auseinandersetzen, wenn man eine Chance haben möchte sein Ziel zu erreichen. Sei es alle Gegner auf dem Spielfeld zu vernichten, nur den Anführer oder besondere Ziele zu erreichen. Hier bekommt man dann doch immer die nötige Abwechslung geboten. Triangle Strategy ist eines dieser Spiele, die einen wie ein Genie vorkommen lassen. Ist ein Kampf manchmal auf den ersten Blick unmöglich, macht es umso mehr Spaß ein taktisches Mittel zu finden wie es einem dann doch gelingt. Und hat man dann doch einmal größere Probleme ist einem das Spiel auch behilflich: Erhaltene Erfahrung behält man auch beim Scheitern eines Kampfes, die eingesetzten Items setzen sich dagegen zurück. So ist es auch nicht ganz so schlimm, wenn man eine der längeren Missionen mal nicht schafft. Anders könnte dies schnell zu Frustmomenten führen, eine wirklich sehr gute Spieldesign-Entscheidung. Hilft auch das nicht hat man immer noch die Möglichkeit in verschiedenen Übungskämpfen ein wenig aufzuleveln, oder mit verschiedenen Ressourcen und ein wenig Geld sein Team und Equipment zu verbessern. Anders als in meisten Spielen dieser Art hat man aber nicht die Möglichkeit die Klassen seiner Mitstreiter zu verändern, jeder Charakter hat eine fest vergebene Rolle. Die kann zwar geupgraded werden, die Freiheit wie in einem Final Fantasy Tactics oder Fire Emblem Three Houses hat man hier aber nicht. Gestört hat es jetzt aber auch nicht wirklich, da man zumindest ein recht großes Team hat und man da durch Rotation trotzdem genug Abwechslung ins Gameplay bekommt.

Der Grafikstil kommt selbst auf der Switch sehr gut zur Geltung

Weiterhin positiv zu erwähnen: Der Sound des Spiels. Einerseits der Soundtrack an sich, der sehr unaufdringlich ist und sich damit sehr gut in die Spielewelt einfügt. Es gibt nicht so viele verschiedene Songs, die haben sich aber doch gut ins Hirn eingebrannt. Es passt schon sehr gut zur Art wie Triangle Strategy seine Geschichte und Welt präsentiert, wie sanft man doch eigentlich während des gesamten Spiels beschallt wird. Und wie eindrucksvoll dann gerade die Momente sind, wo die Musik verstummt. Sicher nicht der große Pluspunkt des Spiels, aber auch definitiv kein Kritikpunkt.

Das Spiel ist dazu komplett synchronisiert. Anfangs wirkte die Darstellung der Figuren etwas trocken, was aber daran liegen könnte das man am Anfang wirklich nur so von Dialogen überrollt wird. Doch im Laufe des Spiels, wenn die Balance im Storytelling besser wird, schaffen es die Stimmen sehr gut den Charakteren noch mehr Leben einzuhauchen. Gerade Frederica und Serenoa sind wirklich sehr gut getroffen, weswegen spätere Dialoge der beiden wirklich sehr eindrucksvoll sind. Wenn man bedenkt wie viel hier gesprochen wird und wie viele Spieler viele Dialoge wahrscheinlich nie hören werden, da diese sich hinter anderen Entscheidungen verstecken, kann man eigentlich nur den Hut ziehen vor dem Aufwand der hier betrieben wurde. Das passt definitiv zum guten Gesamteindruck, den Square Enix hier hinterlässt.

Technisch kommt der Grafikstil der Switch sicherlich entgegen, die hier keine Probleme hat. Besonders schön sind die Effekte von Zaubern im Kampf, die teilweise wirklich spektakulär inszeniert sind.

Fazit

Das Fazit von vielen zu Octopath Traveler war immer: Gutes Gameplay, nicht gute Geschichte. Genau mit dieser Sorge bin ich auch in Triangle Strategy gegangen, vor allem nach den ersten Demos die einem nur schwer vermittelt haben was die Stärke des Spiels wirklich ist. Umso erstaunlicher, was man hier für einen Sprung gemacht hat. Die Geschichte ist mitreißend, die Charaktere wunderbar geschrieben und das Gameplay enttäuscht ebenso nicht. Klar, wer ein besonderes Augenmerk auf den Strategie Part im Strategie RPG Genre legt wird hier vielleicht etwas enttäuscht sein das dieser Teil etwas kürzertreten muss als bei anderen Spielen. Doch die Geschichte braucht ihren Platz und verdient sich diesen im Laufe des Spiels auch immer mehr. Serenoa und Frederica sind 2 der interessantesten Figuren der letzten Jahre und auch sonst bietet dieses Spiel einem so viel, wenn man sich erst einmal drauf einlässt. Triangle Strategy ist das Game of Thrones Spiel, was wir nie bekommen haben und eine gute Alternative zu einem Fire Emblem oder Final Fantasy Tactics. Und dafür sogar mit einem guten Ende. Beziehungsweise sogar mindestens 4 guten Enden.

8.8

Gameplay

8.5/10

Grafik

8.0/10

Sound

9.0/10

Umfang

9.5/10

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