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Review: Atelier Ryza 2 – Lost Legends & the Secret Fairy

Review: Atelier Ryza 2 – Lost Legends & the Secret Fairy

Als nicht affiner JRPG-Spieler war mir die Atelier Ryza Serie zwar ein Begriff, ich wusste aber nie etwas damit anzufangen. Dies hat sich geändert, als ich im Postfach plötzlich eine Review Copy aus dem Hause KOEI Tecmo zum neuesten Teil der Reihe, Atelier Ryza 2 – Lost Legends & the Secret Fairy, finden durfte. Komplett ohne Erwartungen bin ich also in die Rolle der Alchemistin Ryza geschlüpft und habe mich in ein farbenfrohes Abenteuer gewagt. Doch hat sich der Ausflug gelohnt? Das möchte ich im folgenden Review klären!

Ein Anime in Videospielform

Reisalin “Ryza” Stout lebt ein beschauliches, aber auch langweiliges Leben auf Kurken Island und vertriebt sich die Freizeit als fleißige Alchemistin. Ihre Freunde Tao und Bos, die in der Stadt Ashra-am Baird leben, laden Ryza kurzerhand zu sich ein, damit sie mit Hilfe ihrer Expertise ein paar Ruinen untersuchen können. Außerdem bekommt vor der Abreise von Bos Vater einen geheimnisvollen Stein zugesteckt, den sie im Zuge der Reise ebenfalls genauer unter die Lupe nehmen soll. Wie in jedem (guten) JRPG trifft unsere Protagonistin im Laufe des Abenteuers immer wieder neue Charaktere und baut sich so eine Party auf und natürlich ist der geheimnisvolle Stein mehr, als er anfangs zu seien scheint.

Um meiner spoilerfreien Story-Linie, die ich auf dem Blog verfolge, treu zu bleiben, möchte ich nicht nicht weiter ins Detail gehen, kann aber so viel sagen: Atelier Ryza 2 ist ein spielbarer Feel-Good Anime. Die Geschichte wird leichtherzig erzählt und vermittelt ein fröhliches Gefühl beim Zocken. Zum Ende hin wird es etwas ernster, dennoch hinterlässt das JRPG in Summe einfach gute Laune. Die Charaktere bedienen sich dabei sowohl optisch als auch charakterlich an typischen Anime-Stereotypen. Trotz dieser Oberflächlichkeiten schließt man Ryza und Co. aber schnell in sein Herz und baut eine Verbindung zu ihnen auf, wohl auch wegen den sehr textlastigen Zwischensequenzen. Für jede Figur wird sich viel Zeit genommen, so dass man seine Party mit allen Stärken und Schwächen immer besser kennenlernt.

Die Zwischensequenzen sind auf japanisch vertont und werden von englischen Untertiteln unterstützt.

Atelier Ryza 2 bietet japanische Sprachausgabe mit englischen Untertiteln an, gute Englischkenntnisse sind daher nicht nur von Vorteil sondern werden schon vorausgesetzt, um der Geschichte und auch dem Spiel an sich wirklich folgen zu können. Wer allgemein nicht auf viele und lange Zwischensequenzen steht wird wohl auch mit Resalins Abenteuer nicht glücklich werden, das Spiel bedient ganz klar eine bestimmte Zielgruppe und ist kein Spiel für den “Casual”. Das betrifft wie erwähnt die Präsentation, aber auch das Gameplay ist sehr speziell.

Sammler und Brauer

Kurz zusammengefasst besteht eure Aufgabe in Atelier Ryza 2 darin, verschiedene Ruinen mit euren Freunden zu erfroschen und dabei einem alten Geheimnis auf die Spur zu kommen – dabei müsst ihr natürlich allerlei Monster vermöbeln (die im übrigen zu 90% immer lächeln, selbst die sind von der Wohlfühlatmosphäre betroffen!). Dabei setzt Atelier Ryza 2 auf ein ATB-Kampfsystem, d.h. dass ihr und eure Gegner immer eine bestimmte Zeit warten müsst, bis ihr eine Attacke einsetzen könnt. EIne Zeitleiste am unteren Bildrand gibt euch dabei Auskunft, wer als nächstes an der Reihe ist. Ebenso könnt ihr unter Einsatz von APs, die ihr während des Kampfes sammelt, Zauber einsetzen oder selbstgecraftete Items nutzen, zu denen ich später kommen möchte, denn diese sind Bestandteil des größten Gameplay-Faktors von AR2. Während der Kämpfe könnt ihr euren Charakter wechseln und den CPU-Kollegen rudimentäre Anweisungen wie “Supporte mich” oder “Greife an” geben, hier hätte ich mir etwas mehr Individualeinstellungen gewünscht. Generell war es für mich etwas schwierig, während der Kämpfe den Überblick zu behalten, da man mehrere Partymitglieder und auch immer den ATB-Balken im Auge behalten muss, das liegt aber eher an meiner Unfähigkeit als an einem schlechten System, denn dadurch entwickeln sich dynamische und spannende Kämpfe, bei denen man die Augen immer auf dem Bildschirm lassen muss und keine ruhige Minute hat.

Unten rechts findet ihr den Zeitbalken, der angibt, welcher Charakter als nächstes an der Reihe ist.

Ebenfalls gefallen hat mir dass bei Nutzung von Elementarmagie sofort angezeigt wird, ob der Gegner anfällig darauf reagiert oder der Zauber wirkungslos verhallen wird. Das erspart auswendig lernen der Gegnerschwächen oder ständiges Nachschlagen im inkludierten Glossar – ihr müsst die Schwäche aber wenigstens einmal durch einen erfolgreichen Angriff aufgedeckt haben, um es bei künftigen Aufeinandertreffen nutzen zu können.

Für mich als JRPG-Neuling war der Schwierigkeitsgrad zu Beginn etwas zu leicht, nahm im Laufe des Spiels aber gut zu und wurde für mich immer herausfordender inklusive einiger Tode. Unfair wurde es nie, mir war es nur teilweise wie erwähnt etwas zu hektisch, das liegt aber eher an meiner sonstigen Spielweise.

Doch Kämpfe schön und gut, der wahre Star von Atelier Ryza 2 ist das Alchemie-System, welches euch erlaubt, eine unzählige Fülle an Items herzustellen – von Heilitems über Waffen bis hin zu Consumables mit mächtigen Buffs. Dazu müsst ihr Rohstoffe finden, die überall in der Welt verteilt sind und in Seltenheit und Wirkung variieren. Mit Hilfe von gefundenen Rezepten und eurem Skilltree, der ebenfalls neue Möglichkeiten der alchemistischen Handwerkskunst eröffnet könnt ihr euch so perfekt für eure Kämpfe ausrüsten. Das System funktioniert dabei so: ihr sammelt Rohmaterialien und setzt diese in einem Wabensystem ein, um so das gewünschte Item synthetesieren zu können. Dabei könnt ihr bessere oder schlechtere Materialien einsetzen, um den Wert eures zukünftigen Items festzulegen – bessere Rohstoffe führen zu besseren Effekten/Buffs.

Das Alchemiesystem kann zu Beginn etwas überfordern – es lohnt sich aber dranzubleiben.

Auf den ersten Blick kann das System etwas erschlagend wirken, trotz gut erklärender Tutorials, einfach bedingt durch die Menge, die individualisierbar ist. Reinfuchsen lohnt sich aber, da man so mit einem tiefgreifenden Gameplayelement belohnt wird und gerade das eigenständige Testen und schlussendlich erfolgreiche “Brauen” von Gegenständen sehr befriedigend ist. Für “faule” Spieler gibt es aber auch die Möglichkeit, das gewünschte Ergebnis auszuwählen und dann per Auto-Fill alle benötigten Ingredienzien – sofern vorhanden – automatisch aufzufüllen.

Rohstoffe wollen natürlich auch geerntet werden, daher müsst ihr im Laufe des Abenteuers immer wieder den Farmer spielen und verschiedene Materialen per Tastendurck einsammeln. Ihr könnt jedoch nicht alles auf Anhieb einsammeln sondern müsst eure Werkzeuge aufbessern, um so z.B. größere Steinblöcke abtragen zu können. Im Endeffekt ist es ganz großes Grinding, da die Sammelei aber schnell und aufwandslos funktioniert ist es nie nervig – man muss aber darauf stehen.

In den Ruinen, die quasi die Hauptdungeons des Spiels darstellen, müsst ihr im Verlaufe des Abenteuers immer wieder die Geheimnisse eben dieser lösen und müsst dafür Hinweise finden und diese passend zusammensetzen. Ihr sucht also nach leuchtenden Punkten, die euch bruchstückhaft mehr über die Vergangenheit erzählen und ihr diese Bruchstücke in einer Art Puzzle zusammenpacken müsst.

Links findet ihr eure gefundenen Bruchstücke – rechts setzt ihr sie passend zusammen. Die grün hervorgehobenen Sätze/Worte geben euch dabei die nötigen Hinweise, wo welches Bruchstück hinkommt.

Das macht Spaß und lockert die Dungeonhatz etwas auf, auch wenn man keine wirklchen Rätselnüsse erwarten sollte.

Insgesamt bietet Atelier Ryza 2 einiges an Inhalt und viele interessante Gameplayelemente, man muss sich aber auch darauf einlassen können. Als JRPG-Einsteigerspiel bietet sich der Titel auf jeden Fall nicht an, glänzt dafür aber mit einem actionreichen Kampfsystem und einer unheimlichen Menge an Alchemiemöglichkeiten, die den Spieler lange bei der Stange halten. Nach ca. 25h ist die Hauptstory dann auch beendet, dafür gibt es aber auch zahlreiche Nebenquests und Beuteaufträge – für Spielzeit ist also gesorgt.

Technisch nicht auf dem Stand

So viel Spaß mir das Spiel an sich auch gemacht hat, an der Technik gibt es ein bisschen was zu bemängeln. Ich habe Atelier Ryza 2 auf der PS4 Pro gespielt und hatte mit einigen Slowdowns zu kämpfen, ebenfalls kam es hin und wieder zu ganz schlimmen Überbelichtungen.

Immer wieder kam es in Außenbereichen zu heftigen Weichzeichner- und Überbelichtungseffekten

Auch die Animationen außerhalb der Kämpfe wirken etwas “clunky”, man merkt dass es sich nicht um einen AAA-Titel handelt. Gerade die Slowdowns und übertriebenen Effekte finde ich schade, da der Artstyle des Spiels ansonsten sehr schön ist und dadurch etwas getrübt wird. Es gibt einen Tag- und Nachtwechsel, der neben Gameplayauswirkungen auch die Welt wortwörtlich in einem anderen Licht erscheinen lässt und besonders Ashra-am Baird von diesem Wechsel profitiert, da die Stadt bei Nacht eine wohlige Stimmung verbreitet.

Der Soundtrack und die Sprachausgabe sind dafür umso besser und gerade die Musikstücke passen perfekt zum Spiel. Selten hat mir eine akustische Untermalung so gute Laune beschert wie in diesem Spiel, was halt auch komplett zu der gesamten Ausrichtung des Rollenspiels passt.

Was, wie zu Beginn des Reviews erwähnt, vielleicht zum Problem werden könnte ist, dass es keine deutschen Untertitel gibt und das Spiel komplett auf englisch/japanisch ist.

Fazit

Als Nicht-Kenner der Serie war Atelier Ryza 2 für mich eine komplette Wundertüte, die mich sehr positiv überrascht hat. Das dynamische Kampfsystem, was eventuell etwas übersichtlicher gestaltet werden könnte, und der sehr umfangreiche Alchemiepart haben mich lange bei der Stange gehalten und wissen auf jeden Fall zu überzeugen. Lediglich die technische Seite in Form von Grafik konnte nicht mithalten und hat diverse Schwächen offenbart, die den technischen Gesamteindruck etwas schmälern. Insgesamt ist Atelier Ryza 2 aber ein tolles Rollenspiel für JRPG-Fans, bei dem selbst Grindingelemente spaßig eingebaut worden sind.

8.2

Gameplay

8.5/10

Grafik

7.2/10

Sound

8.5/10

Umfang

8.4/10
Pat

Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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