Review: I am Setsuna – eine Reise durch Zeit und Raum

Ich bin kein Fan von JRPGs. Wie schon im FFXV Review geschrieben, ich habe nicht einmal das wohl großartige Final Fantasy VII halb durchgespielt und auch sonst findet man in meiner Sammlung kein Spiel dieses Genres. „Leider“ hatte ich auf der Switch aber schon jedes große Spiel durchgespielt und brauchte neues Futter, also habe ich meine Dämonen überwunden und mir in einem Spontankauf „I am Setsuna“ zugelegt. Ob das Spiel meine Vorbehalte gegen ein ganzes Genre widerlegen konnte?

Zum Sterben geboren

Die Geschichte von „I am Setsuna“ ist schnell erzählt: wir steuern Endir, einen Söldner, der das junge und namensgebende Mädchen Setsuna töten soll – über die Gründe wissen wir zu Beginn noch nichts. Bei der holen Maid angekommen stellt sich jedoch heraus, dass Setsuna eh geopfert werden soll, da durch Opfergaben junger Frauen in den „Last Lands“ die Monster, die auch dort auf der Welt leben, die Füße zumindest etwas stiller halten und nicht aktiv über die Menschen herfallen. Also entschließt sich Endir mit weiteren Gefährten, die er im Laufe der Reise trifft, Setsuna zu diesen „Last Lands“ zu begleiten, damit sie sich dort für die Menschheit opfern kann. Auf dem Weg dahin treffen wir natürlich viele Leute, mit denen wir quatschen können, die sich uns in den Weg stellen oder sich sogar unserer Party anschließen.

Die Story kann mit einigen Twists aufwarten, einige vorhersehbar, andere ganz überraschend. Ich habe die verschiedenen Charaktere aber über die Zeit hinweg aber alle ins Herz geschlossen, da vor allem die Partymitglieder toll geschrieben sind und sich jeder schnell mit seinen Eigenheiten und seiner Persönlichkeit ins Gedächtnis brennt. So toll die Hauptcharaktere aber auch sind, so blass bleiben NPCs und Nebencharaktere. Von den Figuren, die nicht aktiv an der Pilgerreise teilnehmen, ist mir leider keine hängengeblieben. Als Einstieg ins JRPG-Genre ist die Geschichte an sich aber schön (und traurig) geschrieben und hat mich auf jeden Fall bei der Stange gehalten.

Active Time Battle…was?

Kommen wir zum Gameplay (Ich möchte euch nur noch einmal daran erinnern, dass ich keine Ahnung von dieser Art von Spielen hab, daher seht mir bitte etwaige Bullshit-Aussagen nach). Man läuft mit seiner Party durch verschiedene Gebiete, in denen ihr Monster antrefft und dann gegen diese kämpft. Was mir gefallen hat: Kämpfe treten nicht zufällig auf, ihr seht die Gegner in Echtzeit und könnt euch überlegen, ob ihr in die Schlacht ziehen wollt. Entscheidet ihr euch für Option a), dann könnt ihr sogar versuchen, die Gegnertruppe von hinten zu attackieren, um einen Angriffsbonus zu erhalten. In den Kämpfen selber kommt dann das sogenannte Active Time Battle System (ATBS) zum Einsatz. Eure Charaktere müssen warten, bis eine Leiste aufgeladen ist, um dann eine Aktion ausführen zu können. Nach z.B. einem Angriff ist die Leiste dann wieder leer und es muss wieder gewartet werden – ebenso bei den Gegnern (obwohl man den Balken dort nicht sieht und dass daher nur eine Vermutung ist). Man kann mit aufgeladenem Balken aber auch warten, denn dann laden sich wiederum drei Punkte auf, mit denen sich die eigenen Attacken noch einmal verstärken lassen. Es lassen sich mit verschiedenen Partymitgliedern (die sich, sofern man genug hat, frei wählen lassen) verschiedenste Comboattacken ausführen, die besondere Statuseffekte oder eine Unmenge an Damage verteilen. Ihr könnt natürlich auch Tränke einwerfen oder Zauber wirken. Der Schwierigkeitsgrad ist schon einfach, allerdings hauen dafür dann manche Zwischenbosse richtig rein – da fehlt eine gute Balance/Lernkurve.

Neben den Kämpfen lauft ihr halt in der Welt herum, kauft und verkauft Items bei Händlern (was leider sehr umständlich ist bzw. kaum erklärt wird) und sprecht mit NPCs. Dabei erwartet einen nichts bahnbrechendes, das Spiel ist bewusst ganz klassisch gehalten und fährt nur „altmodische“ Spielelemente auf – eine Hommage an die alteingesessenen JRPG-Zocker unter euch. Bei ein oder zwei Punkten ist das allerdings ziemlich schade, fast schon ärgerlich, weil Spielelemente kaum erklärt werden. Ich z.B. musste im Internet nachlesen, wie das mit dem Itemhandel funktioniert und wie ich meine Spezialattacken verwenden kann, da dies nicht richtig gezeigt wird und eine Anleitung gibt es auch nicht.

Da seh ich weiß

Auch grafisch reißt „I am Setsuna“ keine Bäume aus – das muss es aber auch gar nicht. Das Spiel ist wie schon erwähnt ganz bewusst „alt“ gehalten, daher passt auch der Grafikstil zu dem Machwerk. Ihr lauft durch hauptsächlich schneebedeckte Gegenden, die zwar irgendwie alle gleich aussehen, dennoch gut funktionieren und zumindest ich nicht das Gefühl hatte, unbedingt was anderes sehen zu müssen. Jede Spielfigur ist aus Polygonen geschaffen, da hätte ich mir sogar fast schon Sprites gewünscht, um dieses Retrofeeling noch besser zu transportieren. Das Gegnerdesign ist nicht ganz zu gelungen, da sich viele Gegner einfach wiederholen und für mich auch keine Bedrohung dargestellt haben – obwohl es eine gefährliche Monsterinvasion geben soll, sind viele Gegner einfach zu knuffig dafür kreiert.

Der Soundtrack ist ausschließlich von einem Piano eingespielt, was dem Spiel eine klassische und eigene Note gibt, mich teilweise aber auch genervt hat. Es gibt nicht so viele Stücke, dadurch kommt es leider zu einigen Wiederholungen.

Fazit

Ich als Neuling des Genres hatte meinen Spaß mit „I am Setsuna“. Es gab einige Dinge, die mich gestört haben, wie zum Beispiel das eintönige Gegnerdesign, der unausgeglichene Schwierigkeitsgrad oder die repetitive musikalische Untermalung. Die konnten mich aber trotzdem nicht daran hindern, die Reise von Endir und Setsuna bis zum Ende zu begleiten und das Spiel mit einem guten Gefühl zu beenden. Vielleicht ist das Spiel für mich sogar ein Türöffner, der mich zu weiteren JRPGs führen wird. Ich gebe eine 7/10.