Review: Mortal Kombat 11 – King of Fighters 2019

4/5
  • Gameplay
    4.5/5
  • Grafik
    4.5/5
  • Sound
    4/5
  • Umfang
    3/5

Sie sind wieder da! Nach vier Jahren Abstinenz schlagen sich Scorpion, Sub-Zero und Co. wieder im wahrsten Sinne des Wortes die Schädel ein und verteilen den roten Lebenssaft in Massen. Durch Mortal Kombat X und Injustice 2 haben sich die NetherRealm Studios eine gewisse Reputation erarbeitet und gelten mittlerweile als Meister ihres Faches. Doch erreicht Mortal Kombat 11 die Qualität vom Vorgänger oder bleibt der Fatality dieses Mal aus?

Mortal Kombat meets Terminator

Shinnok ist besiegt, das Erdenreich konnte die drohende Gefahr mit Hilfe von Cassie Cage und Raiden abwenden – also Ende gut, alles gut? Nicht ganz, denn um die Erde zu schützen entwickelt sich Raiden immer mehr zum Tyrann, der selber vor Mord nicht zurückschreckt (welch Ironie in einem Mortal Kombat Spiel), um den Status Quo zu bewahren. So tötet er eingangs erwähnten Shinnok, was seiner Mutter – Kronika – natürlich gar nicht gefällt. Als Herrscherin über die Zeit verändert sie so den Zeitstrang, der zum Tod ihres Sohnes führt und mischt die Gegenwart mit der Vergangenheit, damit sie ihren Kampfkader gegen Raiden quasi verdoppelt hat. Natürlich haben aber auch die „Guten“ so ihre jungen Ebenbilder um sich, so dass es zu einigen spaßigen Konfrontationen kommt und ebenfalls einiges an Fanservice geboten wird.

Die Story an sich bietet natürlich einige Logiklöcher, was gerade bei Zeitreisegeschichten immer gerne passieren kann. Im Prinzip ist die Geschichte von Mortal Kombat 11 wie ein klassischer Hollywood-Blockbuster: die Geschichte ist nebensächlich und teilweise unlogisch, dafür wird einiges an Bombast geboten. In den Zwischensequenzen wird geballert, gekämpft, gesprochen, geschnetzelt – und das alles mit einer sehr schönen Inszenierung, sowohl grafisch als auch soundtechnisch.

Ein weiterer Pluspunkt für den Storymode ist, dass man so fast jeden Charakter kennenlernen kann/muss. Im Laufe der Geschichte wechselt man immer wieder zwischen den Protagonisten oder wird manchmal auch vor die Wahl zwischen zwei Kämpfern gestellt, mit denen man die Kämpfe dann bestreiten muss. So bekommt man für einen Teil des Rosters schon einmal ein ganz gutes Gefühl.

Was man als negativen Punkt auslegen kann ist die Tatsache, dass man im Storymode 3/4 Zwischensequenzen und 1/4 Kämpfe hat, gemessen an der Gesamtspieldauer von ca. sechs Stunden. Mich persönlich hat es nicht gestört, da ich diese Aufteilung schon von den anderen NetherRealm Studio Prüglern kannte, ich verstehe aber, wenn jemand da keine Lust drauf hat.

Entscheidend ist auf’m Platz

Aber wie wir alle wissen, liegt das Hauptaugenmerk bei einem Beat ‚em up nicht auf der Story, sondern auf dem Gameplay. Und da hat das Team um Ed Boon mal wieder abgeliefert. Die Kämpfe gehen sehr geschmeidig von der Hand und können mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad sehr fordernd – bis hin zu unfair – werden. Die 24 (25 mit DLC) Kämpfer bieten alle verschiedene Kampfstile, die mit verschiedenen Movesets daher kommen und demnach unterschiedlich zu spielen sind – für Abwechslung ist daher mehr als gesorgt.

Neben den „klassischen“ Spezialattacken bietet Mortal Kombat 11 die sogenannten Fatal Blows an, die man einsetzen kann, sobald die eigene Lebensenergie auf 30 oder weniger Prozent gesunken ist. Diese Fatal Blows ersetzen die X-Ray Moves aus den Vorgängern, wirken im Prinzip aber genauso: die Attacke wirkt wie ein Wurf und lässt eine Welle von verheerenden und blutigen Attacken auf den Kontrahenten los und zieht ihm so einen erheblichen Anteil an Lebensenergie ab. Durch diese taktische Komponente lassen sich verloren geglaubte Kämpfe doch noch drehen und zwingen den Gegner dazu, auch kurz vor dem Sieg weiterhin sehr aufmerksam zu spielen. Fatal Blows lassen sich einmal pro Kampf einsetzen, bei geblocktem oder verfehltem Fatal Blow muss man einige Zeit warten, bis man es noch einmal versuchen kann.

Um wirklich alle Gameplay-Kniffe zu veranschaulichen kann ich euch dieses Video empfehlen, dort wird das komplette Tutorial einmal durchgespielt, mit allen Facetten, die der neue Teil zu bieten hat.

Ihr könnt u. a. mit dem linken Schultertrigger Ausweichrollen und verzögertes Aufstehen ausführen, die Umgebung wieder als Waffe oder Schutz benutzen, Krushing Blows (wirken wie Befreiungsschläge und ziehen dem Gegner in brenzligen Situationen mehr Leben ab) ausführen oder eure Spezialattacken mit einem Modifikator verstärken, was allerdings an eurer Angriffs und Verteidigungsleiste zehrt. Mortal Kombat 11 zieht wirklich alle Register was das Gameplay angeht, und bietet sowohl Einsteigern mit leicht zu erlernenden Kombos als auch Veteranen mit verschiedenen Framezählern (wie lange dauert ein Angriff, wie lange dauert das Blocken des Angriffs, etc.) genug zu entdecken.

Fatalities und Brutalities sind natürlich auch wieder dabei und besonders die Fatalities sind so brutal und explizit wie nie zuvor, was natürlich auch der sich immer weiterentwickelnden Grafik geschuldet ist. Es werden Schädel halbiert, Häute abgezogen, Körperteile gefressen – für den Splatterfan ist wirklich alles dabei. Für Zartbesaitete könnte das aber diesmal wirklich schon zu viel des Guten sein. Und auch die Brutalities, die im laufenden Kampf anhand von verschiedenen Situationen aktiviert werden, bieten wieder ein „gutes“ Level an Brutalität (haha!).

Die Fülle an Möglichkeiten innerhalb des Gameplays kann für Genre-Unerfahrene aber auch sehr erschlagend wirken und so vielleicht die Lust am Spiel nehmen. Wer wirklich Spaß an Mortal Kombat 11 haben möchte, der muss die Motivation mitbringen, sich in das Spiel reinfuchsen zu wollen. Ansonsten stellt sich wahrscheinlich schnell Frustration ein, besonders bei dem schnell ansteigendem Schwierigkeitsgrad.

Großer Umfang – mit Einschränkungen

Für Langzeitmotivation ist prinzipiell gesorgt. Kämpfer lassen sich sowohl äußerlich als auch von den Fähigkeiten anpassen (und sogar leveln), ihr könnt erspielte Münzen in der Krypta ausgeben und dort Särge öffnen, die weitere Inhalte (Skins, Fähigkeiten, Fatalities, etc.) bereithalten, könnt euch in klassischen Türmen nach oben kämpfen oder in den Türmen der Zeit unterschiedlichste Aufgaben meistern. Darunter fallen Kämpfe auf Lava, automatische Regeneration des Gegners und vieles mehr. Besonders die Krypta steht da als eigentlich schönes Beispiel, wie man Unlockables in Kampfspielen einbinden kann. Ihr lauft über Shang Tsungs Insel und öffnet Truhen, wie es damals schon bei Mortal Kombat Deadly Alliance eingeführt wurde. Nebenbei löst man kleine Rätsel, um die Insel so Stück für Stück zu öffnen und neue Truhen zu entdecken.

Und da liegt auch schon der Hase im Pfeffer begraben: zum einen wird der Inhalt der Truhen zufällig generiert, unabhängig vom Preis der Truhen, zum anderen kann man sich das Suchen mit Echtgeld auch teilweise sparen und hat ein kleines Pay2Win Modell implementiert. Der Großteil der mit realem Geld kaufbaren Stücke sind rein kosmetischer Natur, es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen dann Fähigkeiten freigeschaltet werden, die man eigentlich durch langen Grind entweder durch Türme oder der Krypta freischalten muss. Das hinterlässt einen echt faden Beigeschmack und ist wohl auf dem Mist von Warner Bros gewachsen, die das schon bei Injustice 2 und Mittelerde: Schatten des Krieges durchgesetzt haben.

Ansonsten gibt es noch einen Online-Modus, der im Moment semi-gut läuft und die klassischen Beat ‚em up Modi wie Einzelkampf oder VS Mode.

Der schönste Prügler von allen

Technisch kann man wirklich nichts bemängeln. Die Unreal Engine 3 sieht unglaublich toll aus und bietet realistische Spielermodelle, schöne Mimiken und gerade bei Fatalitys einen enormen Detailreichtum. Ich habe es auf der PS4 Pro gespielt und dort läuft es durchgehend flüssig mit 60fps. Von allen erhältlichen Genrevertretern sieht Mortal Kombat 11 wohl aktuell am schönsten aus.

Und auch beim Ton gibt es von meiner Seite nur Lob. Alles klingt satt und wuchtig, die Synchronisation ist gut gelungen und größtenteils sogar lippensynchron, trotz deutscher Sprachausgabe.

Fazit

Das Jahr ist fast bei der Hälfte angekommen und hat im Moment seinen Beat ‚em up Champion gefunden. Mortal Kombat 11 besticht durch anspruchsvolles und taktisches Gameplay, einer breiten Palette an Kämpfern und vielen freischaltbaren Gegenständen. Nervig ist der Grind, der durch den stellenweise unfairen Schwierigkeitsgrad unnötig erschwert wird und das WB’sche Pay2Win Modell, das EA mittlerweile locker Konkurrenz macht. Nichtsdestotrotz erobert NetherRealm Studios mal wieder den Thron der Fightinggames und verteilt an die Konkurrenz Fatalities.