Review: Resident Evil 2 – Ein moderner Klassiker

4.5/5
  • Gameplay
    4/5
  • Grafik
    4/5
  • Sound
    4/5
  • Umfang
    3.5/5

Vor 21 Jahren hat Capcom das damals von ihnen selbst geprägte Survival Horror Genre mit Resident Evil 2 perfektioniert. Unterschiedliche Kampagnen, geniale Atmosphäre und das alles zusammengehalten von einer cheesy over-the-top Story, die einfach nur Spaß gemacht hat. Anfang diesen Jahres war es dann soweit: Capcom hat uns erneut ins Racoon City Police Department geschickt, um den Geheimnis des Zombieausbruchs auf die Spur zu gehen. Doch kann das Spiel seinen Zauber noch einmal ausspielen?

So neu, so bekannt

Grundsätzlich spielt man die bekannte Story aus Resident Evil 2 nach und besucht dabei die ikonischen Schauplätze aus dem Originalspiel. Man hat die Wahl zwischen dem Rookie-Polizisten Leon S. Kennedy, der sich seinen Einstand in Racoon City etwas anders vorgestellt hat und Claire Redfield, die in besagter Stadt nach ihrem Bruder Chris – bekannt aus Teil 1 – sucht. Da es allerdings weder eine Willkommensparty für Leon noch ein Wiedersehen mit Bruder Chris für Claire gibt entscheiden sich die beiden, wieder aus der Stadt zu fliehen. Dabei decken sie eine Verschwörung zwischen Umbrella, dem Polizeichef Chief Irons und Professor-Ehepaar William und Annette Birkin auf und geraten dabei zwischen die Fronten der verfeindeten Parteien.

Wie schon im Teaser erwähnt, die Story ist sehr cheesy und klischeehaft, auch wenn sie im Vergleich zum Original etwas ernster rüberkommt und so seriöser und weniger unfreiwillig komisch wirkt. Wer aber auf erzählerischen Hochgenuss hofft, der wird bei Resident Evil 2 nicht auf seine Kosten kommen. Die Geschichte ist zweckmäßig und hält bei der Stange, für mich als Fan der Klassiker war es sowieso allein schon wegen des Retrofaktors mal wieder herrlich.

Was Capcom aber wirklich schön gemacht hat ist die Variation, die sie sowohl in die Story als auch in den Locations und Rätsel gebracht haben. Kenner der alten Teile werden sich oft denken, dass die Abschnitt xy ja noch von früher kennen und müssen dann schockiert feststellen, dass die Entwickler den Spieler hier bewusst auf eine falsche Fährte gelockt haben und der große Aha-Moment dann später kommt. Ich habe mich sehr oft erwischt, wie ich hochmütig bestimmte Wege abgelaufen bin und mit Schockmomenten gerechnet habe, die dann aber doch nicht kamen – stattdessen wird man dann ein paar Minuten später, in einer damals noch sicheren Ecke, hops genommen.

Insgesamt kann man hier sagen, dass Capcom den Spagat zwischen neu und alt sehr gut hinbekommen hat und man immer wieder überrascht wird, während man in anderen Situationen in Erinnerungen schwelgen kann.

3rd-Person statt Render-Tank

Gameplays generell haben sich über die Jahre ja stetig entwickelt, so natürlich auch die alten Survival-Horror Spielmechaniken. Während man früher vor gerenderten Backgrounds mit einer unhandlichen Tank-Steuerung rumgehampelt ist, so geht das Remake einen komplett anderen Weg. Man spielt hier in einer 3rd-Person-Ansicht, die Kamera dabei dicht am Rücken des Protagonisten. Dadurch entsteht eine beklemmende Stimmung, da man zwar immer den Charakter im Blick hat, die Kamera aber nah genug dran ist, um Schreckmomente wirksam zu präsentieren. Ich war am Anfang skeptisch, ob man mit so einer Änderung trotzdem den alten Flair einfangen kann, wurde aber zum Glück eines besseren belehrt.

Durch diese Änderung ist natürlich auch das Gunplay komplett anders als im Original. Früher hat man den Gegner anvisiert und seine sechs Patronen in den untoten Körper geballert, nun sollte man schon auf genau auf Kopf oder Beine zielen – selbst oder gerade bei einfachen Pistolen. Trotzdem spiel immer noch etwas Zufall mit, da Kopftreffer unter Umständen zur Gehirnexplosion führen können, dies aber nicht immer der Fall ist.

Manchmal war mir die Kamera gerade in engen Bereichen aber etwas zu nah und hektisch, so dass es öfter mal vorkam, dass ich mich nicht rechtzeitig zu einem Gegner drehen konnte oder ihn einfach zu spät gesehen habe, einfach weil die Kamera sehr nah am Charakter war und die Übersicht so etwas flöten ging. Da muss man wohl einen Kompromiss zwischen Spielbarkeit und Atmosphäre eingehen.

Weniger Gegner, mehr Mr. X

Riesenspinnen? Nein. Riesenmotten? Nein. Mr. X? Oh ja. Oft. Sehr oft. Zu oft. Während einige Gegnertypen im Vergleich zum 98er Teil rausgeschmissen wurden, so hat Mr. X aka Tyrant T-00 einige Auftritte im Spiel, für meinen Geschmack leider zu viele. Als er das erste Mal auftauchte ging mir noch ordentlich die Pumpe und ich hatte schon Panik, mit der Zeit und der Häufigkeit seiner Auftritte schwenkte die panische Stimmung schnell in genervte Stimmung über. Man hat kaum Zeit, in Ruhe die Räume zu erkunden und muss ständig darauf achten, dass der Riese einem nicht wieder an den Hacken klebt und mit einigen Schlägen aus dem Leben boxt. Grundsätzlich verfolgt er euch nämlich bis auf eine handvoll Ausnahmen (Saveräume und ein paar Rätselräume) durch das komplette Polizeirevier.  Dies passiert leider auch mehrmals im Spiel, sowohl bei Claire als auch bei Leon (anders als im Original), so dass ich diese Abschnitte leider nur semi-gerne gespielt habe. Dazu kommt, dass man ihn nur immer für kurze Zeit außer Gefecht setzen kann – einen permanenten Stop gibt es nicht.

Auch sonst ist die Gegnerauswahl weniger abwechslungsreich als noch im Original, dafür sind Zombies, Licker und Co. aber schön detailliert modelliert. Gerade bei den Zombies gibt es einige Modelle, dadurch wirken die Schlürfer nicht langweilig sondern bieten viele Gesichter des Todes und sorgen für die nötige Abwechslung.

Der Umfang des Spiel beläuft sich dabei auf ca. 8 – 10 Stunden pro Kampagne, hält sich also nah am Klassiker und hat für mich eine schöne Spielzeit. Längen werden weitestgehend vermieden und die Rätsel sind nicht wirklich harte Nüsse, machen aber Spaß und bieten eine schöne Auflockerung zum ganzen Geballer.

Schöner Horror

Technisch kann ich nichts schlechtes über Resident Evil 2 sagen. Das Spiel sieht fantastisch aus und überzeugt mit grauenerregender (positiv) Geräuschkulisse. Capcom bedient sich hier bei der für RE7 entwickelten RE Engine, die auch im 3rd-Person Bereich eine wirklich tolle Figur macht. Ab und zu wurden bei mir auf der PS4 Pro Texturen nachgeladen, dass war aber kaum der Rede wert und hat der grafischen Pracht keinen Abbruch getan.

Musik wird wohldosiert eingesetzt und spielt gerade in den Bosskämpfen ihre Stärke aus. Die epochalen Tracks unterstreichen die Stärke und Macht der Zwischen- und Endgegner und passen hervorragend zur Grundstimmung des Spiels bzw. der Abschnitte.

Fazit

Für mich als alter Resident Evil 2 Fan ist das Remake eine Offenbarung. Das neue Gameplay und die Varianz in der Story bzw. dem Ablauf schaffen genug neue Reize, um mich immer wieder zu überraschen aber gleichzeitig auch an alte Zeiten erinnern zu lassen. Dazu die tolle Technik, die dem ganzen Horrortrip auch audiovisuell einen mehr als gelungenen Rahmen mitgibt. Einzig die Mr. X Stellen waren für meinen Geschmack zu viel und zu lang, da wurde mir dann zeitweise doch etwas der Spielspaß genommen. Wer aber darüber hinwegsehen kann (was jeder RE/Horrorfan tun sollte), den erwartet mit Resident Evil 2 ein absolut würdiges Remake. Und auch als eigenständiges Spiel kann RE2 jedem Horrorfan nur ans Herz gelegt werden.