FIFA verdankt seinen Erfolg Konami

FIFA ist, was öffentliche Wahrnehmung und Erfolg angeht, wohl DAS Nonplusultra im Sportspielebereich. Und auch genreübergreifend generiert wohl kaum ein anderes Spiel so viel Geld wie das virtuelle Gekicke aus dem Hause EA. Doch wie konnte es dazu kommen? Dafür gibt es vielfältige Gründe, in meinen Augen ist der gewichtigste Grund aber Konami.

Online-Gaming begründet FIFAs Aufstieg

Vor etwas über 10 Jahren wurde FIFA noch als purer Arcadekick belächelt, Fussballpuristen griffen selbstverständlich zu Pro Evolution Soccer, Konamis langjährig etablierter Fussballreihe. Auf dem SNES noch als Intenational Superstar Soccer (ISS) bekannt, begeisterte das Gameplay Spieler weltweit – auch ohne korrekte Lizenzen (die FIFA übrigens auch nicht von Beginn der Reihe an bot). Vom Super Nintendo bis zur Playstation 2 war ISS, das während der PSX/PS2 Phase in Pro Evolution Soccer umbenannt wurde, wie bereits erwähnt für Simulationsänhänger des runden Spielgerätes die Wahl #1. FIFA bot mit dem 98er Teil zwar den Hallenmodus – der durchaus Spaß machte – blieb aber sonst, was die Spielmechanik angeht, auf der Strecke. Lange Zeit haftete dem Spiel der Ruf an, aus den unmöglichsten Situationen Tore erzielen zu können und man als Spieler eigentlich nur versuchen muss, die Gameplaymechaniken besser als der Gegner auszunutzen. Wenn das dann bedeutete, dass man alle Tore nach Flanken von der Eckfahne per Kopf erzielt, dann war das halt so.

PES hingegen überzeugte jahrelang durch größtenteils knackig-realistischem Spielgefühl, mit einer Unberechenbarkeit, die nur der echte Fussball zu bieten vermochte. Den Höhepunkt der Serie bildete Teil 6, der für viele Fans bis heute als der beste Ableger, wenn nicht sogar als das beste Fussballspiel aller Zeiten gilt. Auch hier fehlten wie heute viele Lizenzen, die sich aber dank internem Editor und einer riesengroßen Patcherszene ganz leicht selbst nachbauen ließen. Das Spiel erschien 2006 u.a. für die PS2 und dem PC.

Und hier findet man auch schon den ersten Grund für die mittlerweile unbeschreiblich große Dominanz FIFAs. Zu Playstation 2 Zeiten war Konsolen Online-Gaming noch kein großes Thema. Es gab zwar das Netzwerkmodul für die PS2 und einige Spiele, die man online zocken konnte, der lokale Multiplayer war zu dem Zeitpunkt Playstationtechnisch allerdings noch vorherrschend. Wenn man also mit seinen Kumpels Bundesliga spielen wollte, dann hat man sich getroffen, PES6 eingeworfen und mit dem aktuellsten Fanpatch Bundesliga gespielt – ganz einfach. Da hat FIFA auch mit seinen Exklusivlizenzen noch nichts reißen können.

Mit der PS3 und Xbox 360 wurde Online-Gaming aber nun auch für die Konsolen salonfähig, man traf sich mit Kollegen und auch Fremden einfach im Internet und zockt dort dann drauf los. Da das Patchen durch neuere Kopierschutzmöglichkeiten allerdings nun auch schwerer wurde und man nicht einfach mehr mit seinen selbstgebastelten Lizenzen online gegen Andere zocken konnte, fiel ein wichtiger Aspekt pro PES weg. Die Lizenzproblematik wurde dahingegend noch verstärkt, als FIFA mit Ultimate Team anfing und PES mit MyClub nachgezogen hat. Gerade bei einem Sammelmodus wie den beiden genannten macht sich eine Menge an Lizenzen natürlich bemerkbar – für den deutschen Raum leider dann auch das Fehlen von Bundesligaspielern. Zusätzlich kam erschwerend hinzu, dass Konami mit MyClub nie an die Qualität, den Umfang und dem Suchtfaktor von Ultimate Team anknüpfen konnte. Stattdessen wurde das Thema zu lange zu stiefmütterlich behandelt, bis EA sich dort einen Vorsprung erspielt hatte.

Den Umstieg von PS2 zu PS3 hat Konami verschlafen

Ein weiterer Fehler war der Release von PES 2008. Während PES6 auf der PS2 das Maß aller Dinge war, so war PES 2008 das genaue Gegenteil davon. Das Spiel war theoretisch unspielbar, praktisch jeder Bereich des Spiels war schlecht bis kaputt umgesetzt. Damit hat Konami sein Steckenpferd, das Gameplay, selbst zerstört, während EA genau an diesen Stellschrauben gedreht hatte und PES auch in Sachen Spielmechanik überholen konnte. Dadurch hatte Konami bzw. PES kein Argument mehr auf seiner Seite – das Gameplay war schlechter, FIFA bot mehr Lizenzen und der Online-Modus lief bei EA auch sehr viel geschmeidiger und war kein Vergleich zum kaputten Service von Konami.

PES hat sich über die Jahre zwar wieder gefangen, aber die Schere in Sachen Gameplay ist zu klein geworden, während die Lizenzschere immer weiter auseinander ging. Bei den aktuellen Teilen schlägt PES FIFA in Sachen Gameplay zwar meiner Meinung nach wieder um Längen, aber durch das langjährige Missmanagement seitens Konami ist der Vorsprung von FIFA einfach zu groß geworden, als das PES weiterhin als ernsthafte Konkurrenz gelten kann.

Das kann sich auch erst wieder ändern, wenn Konami nach Ablauf des Exklusivdeals zwischen EA und der Bundesliga bei den Lizenzen mitmischen kann oder das Spiel so angepasst wird, dass zumindest im 1on1 Online die editierten Daten wieder berücksichtigt werden (bei PES6 auf PC damals funktionierte das hervorragend). Dann wird aber immer noch der Ultimate Team Modus zu stark sein, als dass das alleine reichen würde. Auf lange Sicht braucht Konami Lizenzen oder muss auf die Geldgier von EA hoffen, so wie es auch bei Battlefront 2 passiert ist und dadurch unzählige Spieler abgesprungen sind. Dafür ist die Marke „Fussball“ aber zu stark, wahrscheinlich wird der Ansturm auf UT selbst dann immer noch zu groß sein.

Konami hat zu viele Entwicklungen verschlafen und muss dafür nun den Preis bezahlen: vom Tabellenführer wurde PES zum Mittelfeldteam degradiert. Ich halte Pro Evolution Soccer mittlerweile wieder für die spielerisch bessere Reihe, wird es aber wohl nie wieder zum Genreprimus schaffen. Dafür ist der Vorsprung von EA mittlerweile zu groß. Für mich als ISS Kind der ersten Stunde ist das eine traurige Entwicklung. Aber beim virtuellen Kick ist es halt nicht wie beim echten Fussball: entscheidend ist hier nicht mehr nur auf dem Platz.