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Review: Super Mega Baseball 3 – es kommt auf die inneren Werte an

Review: Super Mega Baseball 3 – es kommt auf die inneren Werte an

Falls man im eher Baseball-uninteressierten Deutschland an Baseballspiele denkt, dann kommt einem sicher zuerst das seit Jahren auf hohem Niveau performende MLB The Show von Sony in den Sinn. Doch eher unbeachtet im Schatten der großen Sportspiele hat sich das Entwicklerstudio Metalhead Software an einem Spiel gearbeitet, das der Sonyreihe trotz fehlender Lizenzen und Comicgrafik auf den Fersen ist, in manchen US Magazinen sogar schon als bestes Sportspiel des Jahres deklariert wird. Doch was macht Super Mega Baseball 3 so besonders?

Die inneren Werte zählen

Wenn man alleine den Grafikstil als Entscheidungskriterium zu Grunde legt, dann könnte man meinen, dass es sich bei Super Mega Baseball 3 um ein arcadiges Baseballspiel handelt, bei dem der schnelle und unkomplizierte Spaß im Vordergrund steht. Die Spieler und Spielwelt sind in einer Comicgrafik mit überproportionalen Körperteilen gehalten und sind wohl am ehesten mit der Präsentation aus NBA Playground vergleichbar. Ebenso treten sowohl Frauen als auch Männer gemischt in den Duellen gegeneinander an, auch eine Sache, die man beim “richtigen” Baseball nicht anfinden wird. Lizenzen gibt es auch nicht, bei Super Mega Baseball 3 treten u.a. die Sirloins gegen die Jacks an und Spieler wie Elmo Slayer beherrschen das Spielfeld.  Und trotzdem steckt in dieser unrealistischen Verpackung ein sehr tiefgehendes und simulationslastiges Spiel, nur halt mit einem gewissen Humor präsentiert, quasi das Anstoß unter den Baseballspielen.

Der Comiclook könnte gewöhnungsbedürftig sein.

Neben Standardmodi wie Exhibition Matches oder dem Saison-Modus, bei dem man ein Team – wie es der Name schon verrät – eine Saison lang begleitet, ist wohl der Franchise Mode das Herzstück von Super Mega Baseball 3, dann hier kann es seine vollen Stärken ausspielen. Zu Beginn sucht ihr euch ein Team aus, das ihr über mehrere Saisons coacht und für Kaderplanung, Spielerentwicklung und Finanzen verantwortlich seid. Eure Spieler werden in verschiedene Klassen eingeteilt, bei der A+ die stärkste Klasse darstellt und es dann weiter im Alphabet immer schlechter wird. Ihr könnt die Spieler mit Hilfe von “Entwicklungsgeld” ausbauen und ihnen so verschiedene Traits mit an die Hand geben, die mit einem positiven, teilweise aber auch zusätzlich mit einem negativen Status belegt sind. So kann es z.B. vorkommen, dass euer Batter einen Präzisions- und Kraftschub bekommt, wenn Runner auf der zweiten und dritten Base stehen, allerdings dann auch Abzüge in den Werten bekommt, wenn der gegnerische Pitcher Linkshänder ist. So solltet ihr immer darauf achten, dass ihr passende Matchups auffahren könnt um so Traits sinnvoll zu nutzen.

Es lassen sich pro Spieler verschiedene Traits kaufen.

Ihr habt ebenso die Möglichkeit Free-Agents zu verpflichten und Spieler zu cutten, falls sie nicht zu eurem System passen oder einfach nur zu alt sind. Dabei müsst ihr aber auf euren Cap-Space achten und könnt Spieler immer nur 1:1 ersetzen, das heisst dass ein Pitcher nur durch einen Pitcher ersetzt werden kann.

Auf dem Free-Agency Markt könnt ihr euer Team verstärken.

Generell müsst ihr sehr viel Aufmerksamkeit auf eure Spieler legen, da sie neben dem üblichen Werten wie Power, Genauigkeit und Ausdauer auch den sogenannten Mojo-Wert ausweisen, der sowas wie ein Moralsystem darstellt und erhebliche Wirkung auf die Leistung eurer Spieler hat. Ein Pitcher, der keinerlei Strike-Outs kreiert und jeder geworfene Ball in einem Punkt für die Gegner resultiert, wird im Laufe der Zeit immer unsicherer und wirft dementsprechend immer schlechter, ist also in einem Teufelskreis gefangen, dessen einzige Ausweg die Auswechslung ist, damit er wieder zu sich selbst findet und wieder Moral aufbauen kann. Das ist eine gelungene Komponente, die im Extremfall dafür sorgen kann, dass man selbst Starspieler nicht dauernd einsetzen kann, weil neben der Ausdauer auch die Moral nicht gut genug ist und deshalb eher Fehler passieren.

Diese Dinge stärken die Beziehung zu eurem Team bzw. den Spielern, da ihr so quasi immer wieder auf sie achten müsst und nicht einfach eine Truppe zusammenstellen und diese für immer spielen lassen könnt. Eine andere Sache, die besonders Spieler ohne Baseballbezug näher an das Team bringen sollte sind die fehlenden Lizenzen. Was erst einmal wie ein negativer Punkt klingt kann aber auch einen schönen Nebeneffekt haben, nämlich dass man ohne Vorwissen und Erwartungen (seien es nun positive oder negative) an die Spieler rangehen kann.

Was den ganzen Franchise Modus abrundet sind natürlich, gerade für Baseballfans wichtig, Statistiken über Statistiken. Alle Schläge, Pitches, RBIs, SO, HR und was das Abkürzungsherz noch so hergibt wird getrackt und lässt sich danach jederzeit abrufen, was natürlich auch zur Optimierung der eigenen Schlagtruppe beiträgt.

Fans von Moneyball geht hier das Herz auf.

Simples System, trotzdem tiefgründig

Am Gameplay an sich gibt es auch kaum was zu meckern, Super Mega Baseball 3 spielt sich ungemein intuitiv und lässt einen schnell ins Spiel finden, selbst für Spieler, die mit dem Sport nichts anfangen können. Als Pitcher könnt ihr beim Werfen mit dem rechten Stick aus unterschiedlichen Arten wählen (Fastball, Curveball,…), wählt dann die Stelle, an die ihr werfen wollt und müsst danach mit einem Zielkreuz so nah wie möglich an die zuvor gewählte Stelle gleiten. Optional könnt ihr den Wurf auch verstärken, wenn ihr statt X Viereck haltet und beim Zielen neben dem Fadenkreuz auch die Stärke regulieren müsst. Dieses System gibt es im Übrigen auch beim Batting.

Vor dem Wurf legt ihr fest, wo der Ball hinfliegen soll.

Als Batter müsst ihr zur richtigen Zeit die X/Viereck Taste drücken und könnt zusätzlich die Richtung vorgeben, in der ihr den Schläger schwingen wollt, um den Ball so z.B. etwas weiter unten zu treffen, damit er mit einem hohen Bogen über das Feld fliegt. Ihr könnt den Ball auch per Bunt schlagen oder eure Runner anweisen, einen Basesteal zu versuchen. Generell gibt es keine Funktion, die ihr nicht auch in MLB The Show findet, nur vielleicht nicht so realistisch und ausladend präsentiert, bei Super Mega Baseball 3 liegt der Fokus auf dem Spiel selber, ohne große Präsentation. Das hat aber auch den Vorteil, dass man schneller durch die Spiele kommt und sich so wirklich auf die Stärken von dem Game konzentriert. Bei mir hat sich dadurch ein Gefühl von “Komm, ein Spiel geht noch” eingestellt, bei dem dann mal locker mehrere Stunden wie im Flug vergehen, einfach weil SMB3 so ein kurzweiliges Spiel mit trotzdem großen Tiefgang ist.

Verschiedene Stats definieren das Können des Batters.

Grafische Geschmackssache

Den einzigen Punkt, den man Super Mega Baseball 3 vorwerfen könnte, wäre der wie schon zu Beginn erwähnte Grafikstil. Der Comiclook ist bestimmt nicht für Jedermann und auch animationstechnisch ist noch Luft nach oben vorhanden, da ist der große Konkurrent aus dem Hause Sony natürlich weit überlegen. Dennoch passt dieser Stil irgendwie auch, da sich das Spiel selber nicht ernst nimmt und immer wieder humoristische Akzente eingebaut hat, so dass eine ernste Präsentation irgendwie fehl am Platz wirken würde.

Die Sound- und Musikuntermalung ist zweckmäßig, reißt keine Bäume aus, ging mir persönlich aber auch nicht auf die Nerven, grundsolide würde ich sagen.

Fazit

Wer auf Sportspiele und Simulationen steht, der sollte Super Mega Baseball 3 zumindest eine Chance geben, selbst wenn man mit Baseball und dem Comiclook nicht viel am Hut hat. Das Spiel ist sehr zugänglich, bietet dennoch eine enorme spielerische Tiefe und motiviert so über eine sehr lange Zeit. Ihr könnt euch eine Demo zu SMB3 auf allen Plattformen runterladen und selber ausprobieren.

Für Fans des Ballspiels, die eventuell auch mal eine Abwechslung zu MLB The Show suchen, sollten unbedingt zugreifen. Selbst die fehlenden Lizenzen sollten nicht ins Gewicht fallen und können eine Chance sein, mal komplett bei 0 anzufangen und so noch mehr Spaß mit dem Franchise Modus zu haben.

Pat

Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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