Review: The Legend of Zelda: Breath of the Wild – Nintendos Blaupause

author image by Pat | Switch | 0 Comments | 27 Jun 2017

„Ein Meisterwerk!“ „Spiel des Jahres!“ „Spiel des Jahrhunderts!“ „omg was für 1 game!“ Als BOTW erschienen ist hat die Fachpresse das Spiel weltweit abgefeiert, oft war die Rede von einem der besten Spiele aller Zeiten. Auch die Spieler schwärmten in höchsten Tönen vom neuen Zelda, so dass auch ich neugierig wurde und mir extra eine Switch plus besagtes Spiel geholt habe. Hab ich am Ende nur unnötig Geld ausgegeben oder doch eines der großartigsten Erfahrungen aller Zeiten gemacht?

Die Nintendo-Formel

Das Königreich Hyrule ist in Gefahr. Der Dämon Ganon ist mit seiner Armee an Monstern einmarschiert und möchte nun ein für alle Mal Tod und Verderben ins Land bringen. Nach 100 Jahren wird Link deshalb aus seinem Erholungsschlaf geweckt, um Prinzessin Zelda dabei zu unterstützen und Ganon in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Das ist im Grunde die Quintessenz der Geschichte von Breath of the Wild. Die Story wird hauptsächlich durch Rückblenden erzählt, man erfährt wie Link zu Zeldas Leibwächter wurde und Ganon Hyrule schlussendlich ins Chaos gestürzt hat. Hintergrundinformationen und Wissenswertes bekommt man ansonsten auch viel über Nebenquests und NPCs mit, eine stringente Erzählung wird man in BOTW nicht finden. Man braucht auch keine wirklichen Überraschungen erwarten, Nintendo setzt hier auf seine altbekannte Formel: das Spiel ändert sich, die Geschichte drumherum eigentlich kaum. Allerdings finde ich das bei einem so umfangreichen Spiel wie Zelda: BOTW durchaus vertretbar, es gibt dafür so viel außerhalb der Hauptstory zu entdecken – da ist man fast schon froh, dass die Geschichte an sich ziemlich simpel gestrickt ist. Das Nintendo bei diesem Thema keine Gefangenen nimmt, merkt man schon zu Beginn des Spiels: sobald man die ersten Schritt getan hat, bekommt man das finale Missionsziel angezeigt: „Besiege Ganon“. Wie und wann man das macht bleibt einem selber überlassen, was das Ziel des Spiels ist wird damit aber schon verdeutlicht. Habe ich so in einem Open-World Spiel noch nicht gesehen, fand ich aber überraschend frisch und hat mir sehr gut gefallen.

Jäger und Sammler

Neben Haupt- und Nebenquests gibt es auch noch sogenannte Schreine zu meistern, von denen es insgesamt 120 Stück gibt. Diese Schreine sind wie kleine Rätselräume aufgebaut, in denen ihr eure Fähigkeiten einsetzen müsst, um so Abzeichen zu erhalten, mit denen Link entweder die Maximalanzahl an Herzen oder seine Ausdauer erhöhen kann. Für mich sind die Schreine ein absoluter Zeitfresser, da die Suche nach Schreinen und auch die Rätsel an sich sehr abwechslungsreich gestaltet sind und zum Experimentieren einladen. Neben den Abzeichen gibt es auch noch Ausrüstung in den Schreinen zu sammeln, die teilweise richtig nützlich sind und einem bei dem Abenteuer behilflich sind.

Zu den Schreinen gesellen sich Türme, die erklommen und aktiviert werden müssen, um so Teile der Karte freizuschalten. Außerdem kann man sich zu Türmen und Schreinen jederzeit teleportieren, was das Reisen zeitweise wirklich erleichtert und von mir auch oft genutzt wurde.

Ansonsten gibt es noch so viel zu sammeln und zu entdecken, jede Sache aufzuzählen würde sicher den Rahmen sprengen und vor allem den Reiz nehmen, Dinge selber zu entdecken. Ich habe mich vor dem Kauf extra kaum mit Breath of the Wild beschäftigt, um so viel wie möglich selber herauszufinden – das würde ich euch auch empfehlen.

Ein sehr tolles Gimmick ist das Kochen von Gerichten. Dazu müsst ihr allerlei Zutaten wie Pilze, Fleisch, Obst und sogar Monsterinnereien sammeln und diese dann passend zusammenstellen und kochen. Dabei können die Mahlzeiten verschiedene Effekte besitzen, je nachdem, welche Zutaten man verwendet hat. So könnt ihr mehr Ausdauer erhalten, wärmende Gerichte für kalte Gegenden zaubern oder im schlimmsten Fall eine undefinierbare Pampe herstellen – den Kombinationen sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Möge die Physik mit Dir sein

Während der Erkundung Hyrules trefft ihr natürlich auf allerlei Gegner, die von euch verprügelt werden wollen. Dazu könnt ihr einerseits natürlich eure Waffen und Schilde nutzen, die mit der Zeit allerdings zerbrechen und ihr euch so immer auf die Suche nach neuem Loot machen müsst, andererseits könnt ihr auch die großartige Physikengine nutzen, um euch die Brut vom Hals zu halten. Da lassen sich dann Felsbrocken runterschubsen, Felder in Brand setzen oder auch mit Hilfe von einer Magnetfähigkeiten Stahlkisten als Wurfgeschoss benutzen. Es hat mich während des Spielens einfach fasziniert, wie viel eigentlich möglich ist und es nicht eine oder zwei, sondern zig Lösungswege gibt – und das für fast jeden Aspekt des Spiels. Als ich das erste Mal einen Holzpfeil ausgerüstet hatte, diesen dann in ein Feuer gehalten hab und er auf einmal Feuer fing und ich mir selber einen Brandpfeil gebastelt habe: priceless. Da es in Hyrule neben Tag und Nacht-Wechsel auch Witterungswechsel gibt, kann es durchaus passieren, dass metallische Gegenstände während eines Gewitters Blitze auf sich ziehen und Link so geröstet wird.

Das Kampfsystem an sich ist relativ simpel gehalten, man kann blocken, ausweichen und schlagen. Weicht man im richtigen Moment aus, so wird eine Zeitlupe aktiviert, in der man dem Gegner dann richtig einheizen kann. Die Kämpfe können bisweilen jedoch ziemlich knackig sein, ohne gute Ausrüstung oder einem sehr guten Plan beißt man des Öfteren ins Gras. Der Schwierigkeitsgrad ist ziemlich hoch, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. So ist man gezwungen, immer wieder neue Wege zu gehen und vielleicht auch erst einmal den Rückzug zu wählen, um später mit neuer Ausrüstung einen neuen Versuch zu wagen.

Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter

Breath of the Wild bietet eine tolle Grafik (auch wenn es ab und zu mal Framerate-Einbrüche gibt), die sich durch einen comichaften Stil auch noch lange frisch halten wird. Was mich besonders beeindruckt hat war allerdings die Weitsicht. Wenn nicht gerade Berge im Weg sind und man selber an einem hohen Punkt steht, kann man die fast die komplette Map sehen. Und das, obwohl die Welt diesemal die größte ist, die ein Zelda Spiel je gesehen hat. Auch Schattenwurf und Texturen finde ich sehr gelungen. Nur wenn viel auf dem Bildschirm los ist, geht die Framerate wie erwähnt etwas in die Knie.

Sprachausgabe (!) ist auch schön umgesetzt, hauptsächlich aber auch nur in den Zwischensequenzen. Im Spiel selber wird immer noch mit Textboxen gearbeitet. Der Sound an sich ist auch sehr schön und Zelda-typisch, nur leider gibt es für meinen Geschmack zu wenig Musik. Während Kämpfen oder auch in Schreinen gibt es zwar Untermalung, aber während der Reise durch Hyrule selber werden kaum Stücke eingesetzt, oft hört man dann nur die Umgebungsgeräusche und Link selber. Das finde ich ein wenig schade, gerade da die Zelda Reihe eigentlich einen sehr schönen Soundtrack bietet. Ansonsten kann ich mich von technischer Seite nicht beklagen, so ein grafisch tolles Spiel auf einem tragbaren Gerät zu haben ist schon Weltklasse.

Fazit

Als ich Yakuza 0 reviewt habe sprach ich von meinem persönlichen GOTY. Das muss ich inzwischen etwas relativieren, Zelda: Breath of the Wild gehört definitiv auch dazu. Ich habe selten ein Spiel gezockt, was einerseits so wenig aber gleichzeitig so viel erzählt und einen einfach mit seiner Welt in den Bann zieht. Bei Witcher 3 ist mir das auch passiert,  BOTW ist aber in vielen Aspekten einfach überlegen. Für mich ist Breath of the Wild die Blaupause für ein rundum gelungenes Open-World Spiel. Man bekommt als  Spieler die komplette Freiheit, wie man sein Ziel – nämlich Ganon zu töten – erledigen möchte und weiß direkt von Beginn an, was jetzt Ambach ist. Sammelaufgaben sind logisch in das Spiel eingebaut, es gibt keine sinnlosen Collectables (schöne Grüße an Ubisoft an dieser Stelle) und, was für mich am wichtigsten ist: die Spielwelt lädt zum Erkunden ein. An jeder Stelle findet man tolle Items oder spannende Rätsel, man merkt Nintendo die Liebe zum Detail einfach an. The Legend of Zelda: Breath of the Wild ist auf alle Fälle ein System Seller, ich bereue keinen Cent dieses Einkaufs. Mit bereits zwei angekündigten DLCs ist auch für die Zukunft noch genügend Content gesichert, obwohl man selbst mit dem Hauptspiel sicher über 100 Stunden beschäftigt ist. Falls ihr mit dem Gedanken spielt, euch eventuell eine Switch zu holen, gibt es von mir eine mehr als klare Kaufempfehlung. Ich kann mich da nur anschließen: „Ein Meisterwerk!“ „Spiel des Jahres!“ „Spiel des Jahrhunderts!“ „omg was für 1 game!“