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Review: Yakuza 0 – Im Namen der Ehre

Review: Yakuza 0 – Im Namen der Ehre

Vorab: ich werde dieses Review sicher nicht so objektiv wie möglich schreiben können, da ich mit Yakuza 0 wohl jetzt schon mein Game of the Year gefunden habe, obwohl das Jahr noch nicht einmal zur Hälfte rum ist. In den knapp 40 Stunden habe ich eine Spielwelt kennen- und lieben gelernt, wie sie mich selten gepackt hat. Dieses Review wird zum Großteil einfach nur eine riesige Abfeierei.

Man schlüpft abwechselnd in die Rollen von Kazuma Kiryu und Goro Majima, die in Tokio (Kamurocho) und Osaka (Sotenbori) nachempfundenen Städten ihr mafiöses Unwesen treiben und dabei in eine Geschichte gezogen werden, die ihre Schicksale nach und nach miteinander verbindet und es früher oder später zu einem großen Zusammentreffen kommt, auf das ich nicht weiter eingehen möchte, wie allgemein auf die ganze Story. Die Geschehnisse sind so spannend inszeniert und ineinander verworren, dass ich die Raffinesse und Perfektion dahinter gar nicht zu digitalem Papier bringen könnte. Ich habe selten so gut gezeichnete Charakter erlebt, mit denen man sich identifizieren und deren Motive man nachvollziehen kann. Am Ende hatte ich teilweise fast schon das Gefühl, vor allem die beiden Hauptcharaktere schon Jahre zu kennen.

Was mich neben der Geschichte aber auch begeistert hat, war das eigentlich relativ simple Gameplay, was aber dann doch tiefgründiger ist als man es zuerst annehmen könnte. Yakuza 0 ist im Grunde ein Spiel der Marke Streets of Rage/Final Fight mit einem so umfangreichen Gerüst, dass man mehrmals vergessen kann, dass es sich im Kern um einen Brawler handelt. Man streift durch eine nicht so offene Open-World, in der man Läden besuchen kann, um sein Inventar mit mehr oder weniger nützlichen Items zu füllen, seine Zeit in zig Millionen Minispielen totschlagen oder sich bei bestimmten NPCs neue Kampftechniken aneignen. Dabei sind alleine die Minigames teilweise so komplex, dass man sie auch als eigene Spiele hätte verkaufen können. Obwohl ich mich hauptsächlich an der Hauptstory entlang gehangelt habe, habe ich u.a. im Kasino oder den Arcadehallen so viel Zeit verbracht, wie ich es mit manch anderem Vollpreisspiel nicht getan habe. Auch Nebenmissionen gibt es in Kamurocho und Sotenbori zu erledigen, die sich aber fast ausschließlich auf “Besorge Gegenstand X” und  “Verkloppe Typ Y” beschränken. Aber selbst diese kleinen Geschichten sind teilweise so witzig geschrieben, dass die Subquests erheitern statt nerven. Sobald man den jeweiligen “Nebenjob” der Hauptfiguren freischaltet kann man sich dann auch noch in zwei tiefgründigen Fast-Simulationen austoben, auf die ich aus Überraschungsgründen nicht weiter eingehen möchte.

Die Kampfengine selber könnte man als Mischung aus Brawler (Final Fight) und Beat ’em Up (Tekken) klassifizieren. Man kann zwischen drei Kampfstilen wechseln, die sich auch noch einmal zwischen Kazuma und Goro unterscheiden und diese mit Geld auch noch aufleveln. Ansonsten gibt es halt die Schlag- und Tritttasten, man kann blocken und packen und, mit aufgeladenem Heat-Meter, welches sich im Kampf bei erfolgreichen Aktionen füllt, brutale Finishermoves ausführen. Führt man diese Finisher an bestimmten Hotspots (z.B. vor Autos) aus, dann wird auch die Umgebung mit einbezogen.

Die Kämpfe gehen dabei richtig gut von der Hand und werden auch nach der x-ten Wiederholung nicht langweilig. Das liegt einerseits an der Vielzahl an Gegnern und Waffen, die man übrigens auch einsetzen kann, als auch an den sehr cool in Szene gesetzten Bosskämpfen. Von denen gibt es mehr als genug, die einen teilweise auch sehr fordern, besonders wenn man keine Heilitems mehr bei sich trägt. Dann heißt es taktisch vorgehen, rechtzeitig blocken und zuschlagen und in Quick-Time Events die Nerven bewahren.

In Yakuza 0 wird komplett japanisch gesprochen, englische Untertitel unterstützen den Spieler dann beim Verständnis. Für mich war es zuerst ungewohnt, hat der Atmosphäre dann aber doch sehr sehr sehr gut getan und war gar nicht störend. Allerdings sind gute Englischkenntnisse von Nöten, da ab und zu auch Slang- und Fremdwörter vorkommen. Da das Spiel in den 80ern stattfindet ist auch der Sound daran angepasst, was mir aber sehr gefallen hat – zugegeben, ich bin Fan dieser Zeit. Aber auch sonst wird das Spielgeschehen immer gut untermalt, sei es im Kampf oder in Zwischensequenzen. Grafisch ist das Ding nicht state of the art, was man bei einem Spiel, was auch für PS3 entwickelt wurde, aber auch nicht erwarten kann/muss/darf. Apropros Zwischensequenzen: nehmt euch viel Zeit zur Hand, die Sequenzen können schon mal mehr als eine halbe Stunde dauern – MGS lässt grüßen.

Man darf von Yakuza 0 kein japanisches GTA erwarten, das ist es bei weitem nicht. Selbst die Erwartung an ein Open-World Spiel sollte nicht gestellt werden, dafür sind die Städte zu limitiert, davon ab dass es auch keine Fahrzeuge gibt und man sich ausschließlich zu Fuß fortbewegt. Segas Meisterwerk ist ein Fighting-Game mit einer herausragenden Geschichte und einem unglaublich unterhaltsamen Rahmen, der alle Spielmechaniken zu einem – für mich selten – so faszinierenden Erlebnis macht. Alle Zahnräder greifen perfekt ineinander, von meiner Seite aus gibt es so gut wie keine Kritikpunkte. Für manche Spieler dürften die Zwischensequenzen vielleicht zu lang sein oder die technische Seite zu veraltet,  vielleicht können einige Leute auch einfach nichts mit einer Mafia bzw. Yakuza-Geschichte anfangen. Ansonsten kann ich aber nur sagen: Menschen, die Videospiele lieben und ein ganz besonderes Spielerlebnis durchleben wollen, sollten bei Yakuza 0 auf jeden Fall zuschlagen. Es transportiert einen gewissen Retro-Flair,  das arcadige Kampfsystem erinnert an alte Klassiker des Brawler-Genres, allerdings so weit modernisiert, dass man nie das Gefühl hat, man spielt ein veraltetes Spiel. Von mir aus gibt es eine mehr als klare Kaufempfehlung, kauft euch das Teil!

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Pat

Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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