Test: Touken Ranbu Warriors

EntwicklerOmega Force / Ruby Party
PublisherKOEI Tecmo
PlattformSwitch, PC
24. Mai 2022
24. Mai 2022
17. Februar 2022

Musou-Crossover sind mittlerweile keine Neuheit mehr. Zelda, Fire Emblem oder auch die Dragon Quest Reihe haben Ausflüge in die Welt der Massenschlachten unternommen und nun findet mit Touken Ranbu ein in Europa eher unbekanntes Franchise ebenfalls den Weg ins Genre. Was Omega Force und Ruby Party aus der Lizenz gemacht haben und was Touken Ranbu Warriors besonders macht, finden wir im nachfolgenden Test heraus.

Wächter der Geschichte

Die Touken Danshi sind legendäre Schwerter der japanischen Geschichte, die menschliche Formen angenommen haben und nun als reine Männertruppe, unterstützt von einem nicht ganz definierbaren Tier, die geschichtliche Abfolge Japans sichern soll. Denn die History Retrograde Army, eine Streitkraft bestehend aus allerlei Monstern und Dämonen, hat es sich zum Ziel gesetzt, wichtige historische Ereignisse zu ihren Gunsten zu verändern und so das Schicksal eines ganzen Landes umzuschreiben. Die Governement of Time versucht das mit Hilfe der erwähnten Touken Danshi zu verhindern und den aktuellen Zeitstrahl zu verteidigen – die Schlacht um die Vergangenheit hat also begonnen.

Ich habe mit der Touken Ranbu Serie, die sich in Japan großer Beliebtheit erfreut, noch nie etwas zu tun gehabt. Umso überforderter war ich dann, als ich mich plötzlich mit 15 (!) Protagonisten beschäftigen musste, alle mit unterschiedlichen Backstories und Persönlichkeiten. Durch die interessante Geschichte des Spiels, die historische Ereignisse der Sengoku-Ära (ähnlich Samurai Warriors 5) wieder aufleben lässt, findet man im Laufe des Spiels aber immer besser Zugang zu dem bunt gemischten Danshi-Kader.

Auch die grundlegende Prämisse von Touken Ranbu Warriors, geschichtliche Ereignisse so geschehen zu lassen, wie sie halt ursprünglich passiert sind, ist durchaus spannend und bringt einem japanische Geschichte auf einem unkonventionellen Weg näher.

Die typische Missionsstruktur in Touken Ranbu ist in mehrere Phasen aufgebaut. Ihr bekommt zu erst eine Zusammenfassung einer historischen Begebenheit mit Schlüsselmomenten, bei denen die HRA ihre Finger im Spiel hat und durch Eingriff die Zeitachse verändern wollen. So verhindert die Monsterarmee beispielsweise die Überschwemmung einer Festung und die damit einhergehende Kapitulation des führenden Generals. Nach und nach stellt ihr die Ordnung wieder her und sorgt für eine korrekte Abfolge der japanischen Geschichte.

Die HRA versucht die japanische Geschichte zu verändern: links die korrekte Zeitlinie, rechts die veränderte.

Für mich war die Story an sich und auch die Herangehensweise an diese ganze Zeitreise-Thematik sehr erfrischend und für mich mit das Beste, was das Genre in letzter Zeit hervorgebracht hat. Auch die Menge an spielbaren Charakteren entwickelt sich als überschaubar, so eine wirklich tiefe Verbindung hatte ich dann aber doch nicht zu den Protagonisten – und auch die Antagonisten haben keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das könnte aber auch an meiner Unkenntnis der Reihe gegenüber liegen, Fans von Touken Ranbu kommen sicherlich auf ihre Kosten.

Zwei gegen Tausende

Aus Gameplay-Sicht macht Touken Ranbu Warriors nicht viel anders als seine Genre-Kollegen, besonders die aus dem Hause KOEI Tecmo. Vor den Gefechten könnt ihr euch ein Zweierteam zusammenstellen, mit dem ihr euch auf das Schlachfeld wagt. Dabei ist es wichtig, eine gute Chemie zwischen den Figuren zu bewahren – sei es durch gemeinsame Kämpfe oder der Aufgabenverteilung im eigenen Domizil -, um so verbesserte Werte für die jeweiligen Charaktere freizuschalten. Dazu sei erwähnt, dass jeder Kämpfer mit unterschiedlichen Waffen hantiert – für Abwechslung im Handling ist also gesorgt.

In den Kämpfen selber erwartet euch nichts außergewöhnliches. Es gibt leichte und schwere Schläge, Teamattacken und Spezialangriffe, wobei die letzten beiden sich durch hohe Kombozähler aufladen. Ihr könnt ausweichen, springen und sprinten, um gegnerischen Angriffen aus dem Weg zu gehen, wobei das nur bei höherklassigen Kontrahenten nötig ist – das gemeine Fußvolk stellt bloß Klingenfutter dar und ist keine wirkliche Herausforderung.

Musou-typisch legt ihr euch direkt mit mehreren Gegner gleichzeitig an.

Eine größere Herausforderung stellen neben Neben- und Hauptbossen die verschiedenen Missionstypen dar. Vor allem Aufgaben, in denen ihr eure Umgebung genau beobachten und eine Art Analyse durchführen müsst, da ihr sonst nicht herausfindet, was genau sich an der Vergangenheit geändert hat, können länger beschäftigen, bis man wirklich alle betreffenden Orte gefunden hat. Ein Großteil der Level läuft aber nach dem Schema „töte genügend Gegner und besiege dann den Boss“ ab. Nichtsdestotrotz gibt es hier durchaus Abwechslung im Missionsdesign, von denen sich andere Spiele dieser Art eine Scheibe abschneiden können.

Generell funktioniert das Kampfsystem aber ziemlich gut und weist kaum Schwächen auf. Hin und wieder ist das Zielen etwas schwierig und es kann mal vorkommen, dass man eine Spezialattacke verschwendet, weil die Kollisionsabfrage nicht ganz genau ist, grundsätzlich funktioniert aber alles wie es soll. Das bedeutet einerseits, dass das Swordplay keine innovativen Bäume ausreißt, allerdings auch nicht viel falsch macht und man genau das bekommt, was man von einem Musou erwartet.

Immer wieder kommt es zu Kopf-an-Kopf Duellen mit größeren Gegnern.

Abseits der Gefechte könnt ihr in eurem Honmaru – eurer Basis – Gegenstände kaufen, Minispiele absolvieren oder, wie bereits erwähnt, Aufgaben delegieren, um die Chemie zwischen eurer Truppe zu stärken. Außerdem lassen sich die Danshi leveln und mit weiteren Fähigkeiten ausstatten, die dafür benötigten Erfahrungspunkte werden nach jeder Schlacht verteilt.

Nach jeder Schlacht werden Erfahrungspunkte verteilt.

Besonders am Honmaru zeigt sich meiner Meinung nach relativ deutlich, dass das Spiel besonders Touken Ranbu Liebhaber glücklich machen möchte. So kann man die Figuren in den Räumlichkeiten posieren lassen und mit einem Fotomodus ästhetisch ablichten. An sich erst einmal nichts besonderes, aber man merkt schon, dass das Spiel besonderes Augenmerk auf die „Schönheit“ der Charaktere legt. Das mag für westliche Spieler alles etwas zu „japanisch“ wirken, macht Touken Ranbu Warriors aber auf keinen Fall schlechter. Mit einer Laufzeit von knapp 20 Stunden ist TRW auch nicht das kürzeste Spiel. Die Missionen sind reichlich, dafür aber immer ziemlich kurz gehalten – mehr als 10 Minuten werdet ihr für einen Abschnitt selten benötigen.

Mini-Spiele lockern das Geschehen auf – hier müssen Gegenstände geerntet werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Gameplay von Touken Ranbu Warriors nicht wesentlich von anderen Musou-Titeln unterscheidet und die kleinen Nuancen, die eingestreut wurden, zwar etwas frischen Wind ins Spiel bringen, das Hauptgerüst aber trotzdem von anderen Spielen des Genres (und des Publishers) übernommen wurde – sowohl Missionsdesign als auch Kampfsystem betreffend.

Spektakuläre Präsentation – unspektakuläre Technik

Optisch kann man Touken Ranbu Warriors erst einmal wenig vorwerfen. Das Spiel sieht hübsch aus, die Charaktermodelle der Danshi sind detailliert ausgearbeitet und auch die Gegnermodelle, besonders von Bossen, können sich sehen lassen. Spezialattacken werden in spektakulären Animationen angekündigt und ausgeführt, die die erste Male sicher schön anzuschauen sind, aber leider nicht überspringbar sind. Irgendwann hat man sich dann daran satt gesehen und möchte einfach weiterschnetzeln, wird aber immer wieder zwangsweise ausgebremst.

Spezialattacken werden spektakulär in Szene gesetzt – lassen sich aber leider nicht überspringen.

Die Umgebungen sind nicht die lebhaftesten und gerade bei sehr großen Gegneraufläufen merkt man der Switch die technische Limitierung an – Framedrops und eine generell niedrige Framerate machen sich dann leider bemerkbar.

Was hingegen, fast schon obligatorisch, super funktioniert: der Soundtrack. Traditionelle japanische Musikstücke, die modernisiert wurden und das Kampfgeschehen auf eine heroische Art unterstützen, das erwartet einen bei Touken Ranbu Warriors. Sprachausgabe ist nur auf japanisch verfügbar, dazu gibt es englische Texte.

Fazit

Ich hatte meine Freude mit Touken Ranbu Warriors, trotz Unkenntnis über die Touken Ranbu Reihe. Der Zeitreiseaspekt hat mir gut gefallen und hat der Story und dem Missionsdesign frischen Wind verliehen, auch wenn die ungewöhnliche Präsentationsart „nur“ ein eigentlich klassisches Gamedesign versteckt. Die Menge an Protagonisten kann überfordern, bietet gleichzeitig aber auch Abwechslung. Das Gameplay liefert traditionelle Musou-Kost und sticht weder besonders positiv noch besonders negativ heraus. Grafisch zeigt sich Touken Ranbu Warriors gerade bei Spezialattacken von einer sehr schönen Seite, hat aber auch mit technischen Problemen zu kämpfen. Für Touken Ranbu Fans ist TRW wahrscheinlich ein Pflichtkauf, für Musou-Fans ist es eine nette Alternative zu anderen Titeln des Genres und für den Rest wird es wohl ziemlich uninteressant bleiben.

8

Gameplay

8.4/10

Grafik

7.5/10

Sound

8.1/10

Umfang

8.0/10

Pros

  • 15 spielbare Charaktere
  • Flüssiges Swordplay
  • Schöner Soundtrack

Cons

  • Nicht-Fans können überfordert werden
  • Framedrops
  • Spezialattacken nicht skipbar
Über Pat 165 Artikel
Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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