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Kolumne

Gesamtstärken in Fussballspielen

Gesamtstärken in Fussballspielen

Pro Evolution Soccer 6 war für mich damals das Magnum Opus von Konami. Ich glaube, ich habe mit keinem Spiel mehr Zeit in meinem Leben verbracht als mit diesem Meisterwerk der Spieleindustrie. Okay, objektiv gesehen war es ein gutes bis sehr gutes Spiel, bei weitem aber kein Meilenstein der Gaminghistorie – da schwingt mehr als nur ein wenig Nostalgie mit. Was ich aber bis heute vermisse ist der Verzicht auf Gesamtstärken der virtuellen Kicker.

Bei PES6 musste man die Stärken seiner einzelnen Spieler analysieren und vergleichen, die Werte gezielt für seine Formation und Taktik einsetzen und so das Beste aus den vorhandenen Spielern rausholen. Das war neben dem Gameplay auf dem Feld immer ein Punkt, den ich im Vergleich zu FIFA erheblich besser gelöst fand und für mich sogar schon fast ein Totschlagargument für PES war. Mittlerweile ist selbst Konami seit einigen Pro Evo Teilen auf den Gesamtstärken-Zug aufgesprungen, was das Spiel zwar einsteigerfreundlicher macht, mir allerdings auch viel von der Faszination des Experimentierens nimmt. Klar, ich kann immer noch einzelne Werte der Spieler miteinander vergleichen, doch die Gesamtstärke vermittelt mir einen falschen Eindruck der Fähigkeiten. Davon ab, dass ich einen Messi mit einem Gesamtwert von 93 nie mit einem Boateng mit 93 vergleichen könnte, bin ich mittlerweile sogar davon abgewichen, positionsgleiche Spieler mit Hilfe des Wertes miteinander zu vergleichen. Je nachdem, welche Spielweise ich an den Tag legen möchte bringt mir ein zB ein Stürmer mit einem Wert von 95 nichts, wenn ich Flanken bevorzuge und der Typ vorne keine 1,80m ist und beim Kopfball vielleicht nur einen Skill von 57 hat. Statt dann aber einen kumulierten Gesamtwert als Vergleichsbasis zu nehmen würde ich lieber Statpunkt für Statpunkt vergleichen. Jetzt habe ich zwar auch die Möglichkeit dazu, allerdings hat das durch die Gesamtstärke einen imo bitteren Nachgeschmack.

Was meiner Meinung nach dann auch noch dazu kommt ist sowohl bei PES als auch bei FIFA Schuss- und Passeinstellungen auf automatisch, semi-automatisch und manuell. Diese beeinflussen, inwieweit der Spieler beim Schuss/Pass manuell zielen muss, damit Schuss/Pass auch dahin kommt, wo er hin soll. Auch das widerspricht für mich dem Spielprinzip, dass die Werte des Spielers entscheiden, wie hoch die Genauigkeit des Zuspiels bzw. des Schusses ist. Warum soll ich mit einem Ramelow genauso gut passen können wie mit einem Zidane, nur weil ich den Stick und Knopf gut drücke? Das macht die Individualität der Spieler zunichte und beraubt sie der einzelnen Stärken. Natürlich, es sollte hauptsächlich vom Zockenden abhängen, wie gut man spielt. Ich finde allerdings, dass dazu auch gehört, sich die Stärken und Schwächen der Teams anzupassen.

Für die Zukunft wünsche ich mir eine Abkehr von Gesamtstärken und diesen Einstellungsparametern, damit man sich wieder mehr mit seinem Team beschäftigten muss und die Spieler wieder eigenständiger zu spielen sind.

Pat

Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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