Retro

Review: Anbernic RG351P

Nachdem mein Bittboy Pocket Go V1 auf Grund einer Unachtsamkeit leider den Geist aufgegeben hat musste ein neuer Emulatorhandheld her. Nach einiger Recherche wurde es schließlich der Anbernic RG351P, der Emulatordienste bis hin zum Dreamcast leisten können soll. Ob das Gerät dieses Versprechen halten kann und wie es generell abschneidet wollen wir im Anbernic RG351P Review herausfinden.

Prämisse

Bei dem Anbernic RG351P handelt es sich um einen Emulatorhandheld aus China, der Spiele bis hin zur Dreamcast und PSP emulieren können soll. Er ist der Nachfolger vom RG350, der in Emulatorkreisen einen guten Ruf genießt. Der RG351P kommt mit einer vorinstallierten Software und einer Vielzahl von (illegalen) ROMs daher, so dass der erste Eindruck schon etwas befremdlich wirken kann.

Umfang

Der Preis des Anbernic RG351P liegt momentan bei ca. 80€ – 90€ und lässt sich bei verschiedenen Onlinehändlern erwerben. Ich habe mein Exemplar bei Banggood bestellt und habe dazu eine kostenlose 64GB Micro-SD bekommen, die qualitativ sicherlich nicht zum besten gehört, jedoch gerade auch für den Emulator als nettes Gimmick dient. Der Versand hat ca. 9 Tage gedauert, was für eine Sendung aus China sehr fix ist.

Der Anbernic 351P kommt in einer robusten Pappschachtel daher.

Im Lieferumfang enthalten sind einerseits die Konsole mit einer 64GB Speicherkarte (nicht die oben erwähnte, die gab es bei meiner Bestellung zusätzlich dabei, habe also insgesamt 128GB vorliegen). einem Ladekabel und einer Bedienungsanleitung. Auf der Speicherkarte ist die Emulationssoftware 351ELEC und eine schier unglaubliche Menge an ROMs installiert, die größtenteils illegalen Ursprungs sind und daher einen etwas faden Beigeschmack liefern. Schmeißt die lieber runter und nutzt eure ausgelesenen ROMs und ISOs von euren Spielen, die ihr im Besitz habt.

Für die Spezifikationen möchte ich gerne die Artikelbeschreibung von Banggood nutzen:

Bildschirm: 3,5-Zoll-OCA-Vollformat-Bildschirm IPS
Auflösung: 320 x 480
CPU: RK3326 Quad-Core 1,5 GHz
GPU: Mali-G31 MP2
RAM: DDR3L 1 GB
Speicher: 64GB
System: Open Source Linux System
Batterie: 3500 mAh Polymer Lithium Ionen Batterie
Akkulaufzeit: 8 Stunden
Lautsprecher: 2-Kanal-Stereoton
Mit Vibrationsmotorfunktion
Duales dreidimensionales 3D-Wippendesign, mehr Ergonomie
Exquisites Aussehen, angenehmes Gefühl

https://de.banggood.com/ANBERNIC-RG351P-64GB-2500-Games-IPS-HD-Handheld-Game-Console-Support-for-PSP-PS1-N64-GBA-GBC-MD-NEOGEO-FC-Games-Player-64Bit-RK3326-Linux-System-OCA-Full-Fit-Screen-p-1746202.html?cur_warehouse=CN&ID=6287845&rmmds=buy

Der Anbernic 351P (das P steht für Plastic, es gibt auch noch eine 351M Version, dementsprechend aus Metall) besitzt ein Digikreuz, zwei Analogsticks, Start und Select Tasten, vier Facebuttons und 4 Schultertasten. So lassen sich alle gängigen Konsolen zumindest tastentechnisch komplett emulieren. An der rechten Seite befindet sich das Lautstärkerad, links der Powerbutton, unten zum einen der Einschub für die SD-Karte und einen Resetknopf und auf der Oberseite zwei USB-C Anschlüsse (für das Ladegerät und zum Beispiel einen externen WLAN Adapter) und ein Klinken-Eingang für Kopfhörer. Auf der Rückseite steht die Modellnr. und es gibt zwei Gummiflächen, die für zusätzlichen Grip beim Halten sorgen sollen.

Praxistest

Das Digikreuz ist für meinen Geschmack etwas zu fest und muss erst richtig eingespielt werden, damit es sicher besser drücken lässt. Die anderen Tasten liegen aber gut im Gehäuse und haben auch einen schönen Druckpunkt. Bei den Schultertasten gefällt mir die Anordnung, diese sind nämlich neben- statt hintereinander gelegt und lassen sich so gut erreichen + das Gehäuse bleibt schön schmal. An der Verabeitung gibt es von meiner Seite generell nicht viel zu meckern, auch wenn der RG351P aus Plastik ist wirkt er nicht billig, Das Gerät fühlt sich robust und schwer (aber nicht zu schwer) an und liegt gut in der Hand. Längere Zocksessions sollten also problemlos möglich sein.

Doch wie sieht es bei der Emulation aus? Um es gleich vorweg zu nehmen: ja, der RG351P kann Dreamcast- und PSP-Spiele emulieren. Kann er es gut? Nicht wirklich. ein paar wenige Spiele laufen akzeptabel, viele sind aber auch einfach zu hardwarehungrig und ruckeln was das Zeug hält, daher kann ich dafür keine Empfehlungen aussprechen. Auch der N64 bereitet einige Probleme, was aber auch generell ein Problem bei Nintendo 64 Emulationen ist und daher nicht nur dem Anbernic vorgeworfen werden kann. Aber alles “unter” dem N64, also PSX, SNES, NES etc. laufen hervorragend, besonders die Playstation 1 Emulation hat mich wirklich vom Hocker gerissen. Selbst bei der vorinstallierten Software (351ELEC) laufen die Spiele butterweich und ohne Einschränkungen, 16-Bit Systeme sehen auch toll aus, wobei die Sprites da manchmal etwas unscharf wirken – dies lässt sich aber mit einer Fülle an Einstellungen, die besonders für erfahrene Emulationszocker interessant sind, beheben.

Die Playstation 1 Emulation funktioniert hervorragend und sieht super aus.

Die Firmware an sich ist besonders für Anfänger und Leute, die sich nicht wirklich in das Thema reinfuchsen wollen, optimal, da sie keinerlei Einrichtung benötigt und sofort ready2play genutzt werden kann. Innerhalb der Spiele gibt es bekannte Funktionen wie Save States und Cheatcodes. Es lassen sich, sofern man einen WLan-Adapter angeklemmt hat, Spielecover laden und Meta-Beschreibungen füllen – gerade für Sammler ein schönes Gimmick. Durch die leicht herausnehmbare SD-Karte auf der Unterseite des Gerätes lassen sich aber auch leicht Custom Firmwares installieren, die den Anerbnic RG351P um neue Features erweitern oder die Performance verbessern.

Das Emulationsmenü ist aufgeräumt und nicht überladen – hier ist allerdings nicht die Stock-Firmware zu sehen, sondern eine Version von ArkOS. Doch auch das Standard-Menü ist ähnlich aufgebaut.

Der Bildschirm liefert knackscharfe Farben und eine saubere Auflösung, durch das Glas auf der Oberfläche kann es bei Sonneneinstrahlung dennoch leider blenden bzw. spiegeln. Das ist aber verschmerzbar, gerade weil das Bild sonst wirklich zu überzeugen weiß. Auch der Stereosound erfüllt seinen Job erwartungsgemäß. Er sticht zwar nicht besonders hervor, klingt aber sauber und ausreichend. Man kann ihn ziemlich laut stellen, darunter leidet dann aber auch die Qualität – bei normalen Zocksessions ist eine so hohe Lautstärke aber gar nicht nötig, eine mittlere Einstellung des Soundrades reicht vollkommen aus.

Fazit

In Sachen Performance kann man bis zur Playstation 1 also sehr zufrieden mit dem Gerät sein. Nintendo 64 funktioniert unter Umständen auch noch, alles darüber ist zwar für das Datenblatt nett, aber nicht wirklich genießbar. Die Hardware überzeugt trotz Plastikgehäuse durch eine wertige Haptik mit sehr gutem Display und einem befriedigenden Sound. Für den Preis werdet ihr wohl keine bessere Alternative finden, für mich hat sich der Kauf auf jeden Fall gelohnt und jeder, der für einen überschaubaren Preis Playstation 1 und ältere Konsolen fast perfekt emulieren möchte, sollte ohne zu zögern zuschlagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.