Netflix, Amazon Prime, Disney+ – was bei Serien und Filmen lange Usus ist, kommt im Gamingbereich auch so langsam an. Einer der größten Förderer dieser Abo-Modelle ist Microsoft, die mit dem Xbox Game Pass ein monatlich kündbares System auf die Beine gestellt haben, das vor Spielen nur so strotzt und so der Traum für viele Spieler sein könnte. Doch ist er das auch?
Für 12,99€ im Monat (beinhaltet den Xbox- und PC-Game Pass und Xbox Live Gold) hat man als Spieler eine riesige Auswahl an Titeln, die von Indie bis Blockbuster reichen und während der Abo-Zeit beliebig viel gespielt werden können. Der Preis ist für die Leistung wirklich unschlagbar, im Prinzip ist dieses System eigentlich nicht kritisierbar. Klar, es erscheinen nicht nur aktuelle Games im Pass und es sind auch einige Füller dabei, im Endeffekt gibt es aber mehr gute als weniger gute Titel, die einem zur Verfügung stehen.
Ich bin auch begeistert, kurz nach Release erschien z.B. auch Streets of Rage 4 im Game Pass, ein Spiel, das ich sonst sicher zum Vollpreis gekauft hätte. Oder auch Games, die ich zwar immer interessant fand, ich mich aber nicht zum Kauf überwinden konnte, hier kann ich als Beispiel Kingdom Come: Deliverance nennen.
Doch mit dieser Fülle an Spielen kommen auch Probleme auf. Denn sollte dieses Geschäftsgebahren in Zukunft auch von anderen Entwicklern/Publishern/Firmen übernommen werden, so werden es in Zukunft Sammler schwieriger haben, ihre Sammlungen zu vervollständigen, sollte der Fokus immer weiter auf digitale Inhalte gelegt werden. Im schlimmsten Fall entscheiden sich Unternehmen nämlich dann, Spiele gar nicht mehr als physische Version zu releasen und komplett auf digital zu setzen.
Ein anderes Problem, von dem ich aktuell selber auch betroffen bin: man weiß einfach gar nicht mehr, wann man alles spielen soll. Durch die unheimlich große Auswahl fängt man jedes Spiel mal an und es besteht dann die Gefahr, dass man kein Spiel mehr „richtig“ spielt – sie werden zu Massenware, die man kurz konsumiert und dann wegwirft. Ich kenne das Phänomen auch von Netflix, wo ich zig Stunden nach einer neuen Serie oder einem Film suche, der mich interessiert und ich im Endeffekt einfach wieder bei alteingesessenen Sendungen hängen bleibe.
Games werden entwertet, es besteht die Gefahr, dass man sich nicht mehr so viel Zeit dafür nimmt und immer auf der Suche nach neuen Machwerken ist. Da braucht man schon eine gewisse Menge an Disziplin und Selbstbeherrschung, um wirklich an einem Spiel dran zu bleiben – denn im Prinzip ist es wohl so, wie man sich es immer als Kind gewünscht hat: man hat Zugang zu einer großen Videothek und kann sich für 12,99€ im Monat so viele Spiele leihen wie man möchte. Da kann es passieren, dass man nicht mehr das selbe Wertgefühl für ein Spiel empfindet wie bei einem Vollpreistitel, der meistens mit 60 – 70€ zu Buche schlägt und man da eher bereit ist, viel Zeit hineinzustecken. Schließlich hat man dafür eine Menge Kohle bezahlt, also will man optimalerweise (falls das Spiel denn auch gut ist) so viel Spielzeit wie möglich rausholen.
Andererseits bietet das Abo-Modell dafür den Vorteil, dass man sich vielleicht auch Spiele anschaut, die man gar nicht auf dem Radar hatte und sich dann als echte Geheimtipps herausstellen. Denn es kommt ja oft vor, dass man sich ein Game ins Auge gefasst hat, diverse Tests liest und dort dann nur 70er Wertungen vergeben werden, so dass man sich denkt „Ja okay, ein Spiel im 70er Bereich ist für mich nicht Vollpreis wert.“ Und statt dann erst auf einen Sale zu warten hat man so die Möglichkeit, für einen geringen Obolus eventuell eine persönliche Perle zu entdecken.
Es gibt also gute Gründe für und gegen solche Abo-Modelle, im Moment bin ich aber noch sehr angetan vom Xbox Game Pass und hoffe, dass Microsoft diesen auch für die neue Konsolengeneration am Leben hält.