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Kolumne

Sexismus und Gaming – wenn Belästigung bloß sein Spiel ist

Sexismus und Gaming – wenn Belästigung bloß sein Spiel ist

Ich bin ein Kind der späten 80er, bin mit dem NES groß geworden und habe in Videospielen eine meiner größten Leidenschaften gefunden, die bis heute anhält. Damals musste man als „Gamer“ mit dem Klischee leben, dass man ein blasser, dünner Junge sei, der für immer allein sein wird und Frauen sich höchstens in den eigenen Fantasiewelten für einen interessieren. Das war und ist natürlich immer noch Käse. Dennoch verhalten sich viele Kerle immer noch so, als gehen mit ihnen die Hormone durch und belästigen Gamerinnen unter dem Deckmantel des Spaßes. Es werden aber auch Level erreicht, die von anzüglichen Witzen bis zu ekelhaftesten Bedrohungen und Gewaltphantasien reichen. Und in diesen Momenten frage ich mich dann: hatten die Leute damals und teilweise auch noch heute recht? Sind Gamer ein Volk misogyner Idioten, die sich von Frauen bedroht fühlen oder für die Frauen weniger wert sind?

Ich möchte gar nicht explizit auf aktuelle Fälle eingehen, denn Beispiele wird es leider immer wieder geben. Aber es ist bezeichnend für die Szene, dass Frauen, die sich gegen übergriffige Kommentare wehren und sich nichts Gefallen lassen, auf ganz üble Weise beschimpft werden und sie sich nicht so anstellen sollen. Der Angreifer meinte das schließlich nur aus Spaß so, und überhaupt darf man heutzutage ja nicht mehr sagen. Dabei sind die Fans und Follower von Typen, die einen idiotischen Spruch bringen, oft noch schlimmer als der Auslöser selbst. Es ist einfach immer noch zu sehr akzeptiert, dass man Frauen im Gamingbereich belästigen, beleidigen und bedrohen kann, ohne das man (ernste) Konsequenzen zu spüren hat – Beispiele gibt es genügend, teilweise auch bei den größten Streamern Deutschlands. Das Verhältnis von mahnenden und anklagenden UserInnen zu beschützenden Usern (hauptsächlich sind es halt Männer) ist immer noch zu unausgeglichen. Es ist nämlich so: als Mann kennen wir diese Probleme nicht. Einzelschicksale ausgenommen, wir haben aber kein flächendeckendes Problem mit sexueller Belästigung oder Herabsetzung. Uns geht es zu gut und genau darum sollten wir auch den Mund aufmachen für die Menschen, die diese Privilegien nicht genießen können. Als hätten es Frauen nicht schon in der Arbeitswelt oder im privaten Leben schwierig genug, nein, man(n) muss ihnen auch noch die Hobbies versauen. Und natürlich kommen dann die Leute die sagen: „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren“. Wenn du dich nicht angesprochen fühlst ist es doch gut, dann wäre es dir aber auch egal, dass generell von Männern gesprochen wird. Trag deinen Teil dazu bei und mach aus der grundlegenden Regel, nämlich die schlechte(re) Behandlung von Gamerinnen durch toxische Männer, die Ausnahme. Dann muss auch niemand mehr über einen Kamm geschert werden.

Und an die Kerle, die es lustig finden, Frauen im Internet zu degradieren oder ihnen das Recht auf Gegenwehr abzusprechen: wie würdet ihr es denn finden, wenn man das mit eurer Mutter, eurer Schwester, eurer Frau oder eurer Tochter machen würde? Würdet ihr dann auch sagen, dass es doch alles nur Spaß sei und „die Weiber mal nicht übertreiben sollen“?

Pat

Kommt aus Essen und zockt gerne mal, am liebsten Multiplayer- und Horrorgames.

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